Donnerstag, November 03, 2005

Feuer in der Nacht zeigt die Zerissenheit der 'Grande Nation'

In den Vororten Paris erleuchtet die Nacht in feuerrot. Jugendliche liefern sich seit einer Woche Straßenschlachten mit der Polizei. In La Courneuve wurden Feuerwehr und Polizei beschossen, in Seine-Saint-Denis brannten Hunderte von Autos und in Aulnay-sous-Bois besetzen Jugendliche eine Polizeiwache, um sie kurze Zeit später in Brand setzen zu wollen.

Auslöser für diese Eskalation der Gewalt war der Tod zweier Kinder: Bouna und Ziad, 15 und 17 Jahre alt, flüchteten vor der Polizei in ein Transformatorenhaus und starben an einem 20.000 Volt starken Elektroschock. Ein Ermittlungsverfahren versucht nun zu klären, warum die Kinder überhaupt verfolgt wurden und ob die Polizei bei ihrem Tod auch noch zugesehen hätten. Laut der Aussagen der Anwohner war genau dies der Fall.

Schon in der Vergangenheit gab es immer wieder Schwierigkeiten mit den Brennpunkten in den Pariser Vororten. Die Einwanderer aus Algerien, anderen Teilen Afrikas und arabischer Herkunft wurden in die Vororte abgeschoben und sich selbst überlassen. Soziale Gerechtigkeit gibt es in diesen Teilen Paris schon lange nicht mehr.

Innenminister Nicolas Sarkozy sprach schon von "Gesindel, dass mit einem Hochdruckreiniger aus den Problemvierteln" getrieben werden sollte. Mit dieser Aussage ist er in der Wortwahl schon Nahe an Jean-Marie Le Pen, der mit seiner rechten Partei "Nationalen Front" bereits eine "Attacke von ausländischen Horden" beschreibt und noch drastischere Maßnahmen befürworten würde. Das Le Pen 2002 knappe 17% der Stimmen bei der Wahl eines neuen Ministerpräsidenten in Frankreich bekam, sollte einen noch in diesem Kontext noch einmal nachdenlicher stimmen.

In welche Richtung driftet Frankreich?
Kann man der französischen Regierung die alleinige Schuld für diese Gewalttaten geben?
Wie kann man diese Lage noch deeskalieren?
Wie schafft man ein französisches Bewußtsein für Einwanderer und ihre Rechte?

Im französischen Film "La Haine - der Hass" aus dem Jahre 1995 von Mathieu Kassovitz wurde die Einwandererthematik eindrucksvoll aufgegriffen und ist durch die jüngsten Ausschreitungen aktueller denn je.

Man kann nur hoffen, dass sich die Lage rund um Paris schnell wieder beruhigt und die Chance ergriffen wird, einen gemeinsamen Dialog zwischen Regierung und Einwanderern zu initiieren.

Wenige Kilometer von uns brennen Vorstädte. Wir sollten nicht wegsehen.