Wie der Herr, so's Gescherr
"And if there's anybody left in here that doesn't want to be out there: I predict a riot"
Aus dem Lied "I predict a riot" von den Kaiser Chiefs (aktuelles Album "Employment")
Ungewöhnlich viele und zudem noch kritische Stimmen dringen aus dem Süden Deutschlands bis an die Oberfläche nach Berlin. Die Enttäuschung der CSU-Abgeordneten über Stoibers Rückzug aus der Bundespolitik und dem dadurch nicht mehr vorhandenen Machtpotenzial wird nun in Worte gefasst - und an Kritik wird nicht gespart. Nicht alleine der Rückzug an sich beschäftigt die CSU, sondern viel mehr auch die vergebene Chance, ein Superministerium auf Bundesebene zu betreuen. Der neue Wirtschaftsminister in einer Großen Koalition, Michael Glos, bekommt nun lediglich ein "normal" ausgestattetes Ressort. Kompetenzen und Machtfülle ist damit der CSU verloren gegangen. Da fliegt man doch gerne gemeinsam nach Italien.
Bei einer gemeinsamen Rom Reise inklusive Privataudienz beim Papst wurde dem (noch) amtierenden Ministerpräsidenten Bayerns klar aufgezeigt, dass eine weitere Alleinherrschaft oder eine etwaige Konzentration auf Bundesthemen als Landesvater von der CSU nicht mehr akzeptiert wird. So sparte CSU-Landtagsfraktionschef Joachim Herrmann auf dem Hinflug nicht an wortgewaltigen Seitenhieben auf seinen Sitznachbarn Stoiber und bekam von den anwesenden Parteimitgliedern tosenden Applaus. Bis vor wenigen Wochen wäre solch ein Verhalten niemals möglich gewesen.
Der Aufstand gegen Stoiber hat begonnen. Ehemalige Kollegen, die Stoiber aus der Parteispitze vertrieben hatte, rüsten nun auf: So prüft der ehemalige bayerische Justizminister Alfred Sauter bereits die Möglichkeit einer Direktwahl des bayerischen Ministerpräsidenten. Wenn diese Möglichkeit sich bewahrheiten sollte, würde er diesen Vorschlag auch in den Landtag einbringen. Es dauert sicherlich nicht mehr lange, bis auch andere Stoiber-Kritiker die Gunst der Stunden nutzen werden.
Bezeichnend sind auch die anhaltenden Sympathiebekundungen für die beiden bayerischen Ministerpräsidenten in spe, Erwin Huber und Günther Beckstein. Die Parteimitglieder hatten sich schon auf die Regierungszeit mit einem dieser beiden Vorsitzenden gefreut, doch Stoibers Rückzug vermieste allen diese Vorfreude. Vor allem Beckstein sparte in den letzten Tagen nicht mit unverhohlener Schadenfreude über Stoibers unglückliches Wiedersehen. Lediglich Erwin Huber, der als Stoiber-Intimus bekannt ist, hält sich weiter bedeckt.
Sehen wir hier schon die ersten Anzeichen für eine Post-Stoiber-Phase in Bayern?
Fortschritt oder Rückzug? Hauptsache Bewegung in der Sache.


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