Dienstag, 17.25 Uhr:Pünktlichst und leicht genervt wegen einer verpassten Autobahnabfahrt erreichte ich die ZU in Friedrichshafen. Alle Teilnehmer traffen sich am Campus I am Seemooser Horn nur fünf Minuten später. Eine Mitbewerberin und einen Mitbewerber kannte ich schon von dem H.I.T. der ZU Mitte November.
Wir traffen uns alle im Großen Hörsaal (dieser könnte maximal 120 Studenten fassen), dem "Ort der Lüge", und lernten Tim Göbel und Sonja Heilig kennen. Herr Göbel vertratt den Rektor und moderierte unseren Recruitment Event. Frau Heilig kümmerte sich bereits im Vorfeld um unsere Bewerbungen und organisierte auch diesen Event mit.
Mit den Taxen ging es danach in unsere Übernachtungsstätte - dem SeeHotel an der Uferpromenade Friedrichhafens. Jetzt wussten wir auch endlich, wofür wir 90 € bezahlen mussten: 65 € hiervon gingen schonmal für das Hotelzimmer und das Frühstück drauf. Nach dem kurzen Check-In stand dann eine Veranstaltung der BürgerUniversität der ZU auf dem Programm: ein Vortrag von Dr. Donner zum Thema Wirtschaftsethik. Interssant. Es sollte eine Einstimmung für den morgigen Tag sein und uns für das, was die ZU neben dem reinen universitären Betrieb noch veranstaltet, sensibilisieren. Wir diskutierten lange in der Gruppe über die angesprochenen Themen und waren uns alle einig: es lässt sich virtrefflich streiten.
Danach ging es wieder zurück ins Hotel: Abendessen. Wir durften bestellen, was wir wollten - schließlich hatten wir ja noch 35 € offen, die noch keine weitere Verwendung gefunden hatten. Alle Bewerber sowie Tim Göbel und Sonja Heilig sassen an einem Tisch. Wir forcierten unser Kennenlernen und merkten schnell, dass wir alle eigentlich gut miteinander harmonieren bzw. und wenigstens gut verstehen. Ausnahmen bestätigten die Regel: Leander hob sich etwas von der "Masse" der anderen Bewerber durch sein Auftreten ab. Nun gut: inszenatorisch brachte ihm sein Verhalten keine Vorteile.
Zusammen mit meinem Zimmerkollegen Jonas aus Potsdam und noch weiteren Mitbewerbern fuhren wir danach noch auf die Erstsemesterfeier der ZU in diesem Wintersemester. Im "Club Parfum" konnten wir uns einen gewissen Eindruck von den Studenten machen, die es bereits an die ZU geschafft hatten und waren uns einige, dass wir - die Neuen - noch etwas Schwung in die Gesellschaft bringen könnten. Gegen 00.30 Uhr verschwanden dann auch die Letzten (wir) in ihre Zimmer und ich
Mittwoch, 7.05 Uhr:
Der Wecker klingelte unerbittlich und Jonas war bereits fix und fertig, geschniegelt und gestriegelt und verschwand sogleich zum Frühstück. Ich erkannte den Mann im Spiegel nur schemenhaft und freute mich über das warme Wasser aus der Dusche.
Nach dem Frühstück und den ersten Nervositäten (Jonas: "Jetzt ist mir schlecht.") wurden wir von den Taxen wieder an den Campus gefahren. "Pünktlich" um 8.30 Uhr begann der eigentlich Recruitment Event.
Alle entscheidenden Personen stellten sich vor, unter anderem die vier externen Beobachter (ein Anwalt, ein Richter, ein pensioniertes Aufsichtsratsmitglied, eine Verwaltungsdame) und Angestellte der ZU, die an diesem Tag darüber entscheiden würden, wer von uns Bewerbern ein Studienangebot der ZU bekommt.
Wir wurden in vier Gruppen eingeteilt. Danach stellte die Leitern des "Eine-Welt"-Laden aus Friedrichshafen uns die Themenstellung vor:
Wie kann man den Umsatz des gemeinnützigen Ladens steigern?
Wie vermittelte ich den Bürgern das Image des "Eine-Welt"-Ladens?
Wie kann ich Produkte wie Kaffee und Holzkunstwerke besser vermarkten?
Wir hatten 90 Minuten Zeit und ich machte mich zusammen mit Sarah, Estelle und Eva ans Werk. Zur Vefügung hatten wir alle Infos über die "Eine-Welt"-Dachorganisation und die Gegebenheiten in Friedrichshafen. Dazu noch eine Flipchart, einen dicken Eding und unsere Ideen. Wir sollten eine 5-minütige Präsentation vorstellen, in der die oben erwähnten Fragen beantwortet werden sollten und konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Lage des "Eine-Welt"-Ladens in Friedrichshafen.
Alle Gruppen stellten ihre Ergebnisse vor und bei manchen fragten die "Experten" aus der Runde auch nach. Gruppe 4 (die Gruppe mit mir) schnitt bei der Leiterin des Ladens am besten ab, da wir aus ihrer Sicht die besten und konkretesten Vorschläge geliefert hatten. Vielen Dank, aber ob dies auch die Judges überzeugen konnte?
Alle Gruppen wurden vor allem für den Vortrag der Ergebnisse gelobt und die schnelle Auffassunf und Umsetzung des Themas und der Fragestellung. Wir alle haben uns gut geschlagen, manche aber etwas besser bzw. schlechter als andere.
Break.Mittagessen im Italiener, der Mensa der ZU. Wir hatten ein paar Minuten mehr zum Verschnaufen. Es war widerliches Wetter, kalt und regnerisch. Doch der Duft des Bodensees und des Wassers erfrischte meine Zellen und pumpte frischen Sauerstoff in mein angestrengtes Köpfchen.
Um 13.00 Uhr startete ich mit meinem ersten Interview. Basierend auf meiner Bewerbung interviewten mich zwei Personen - in diesem Fall eine Studentin aus dem 3. Semester und eine Angestellte aus der Verwaltung aus der ZU. Sehr locker und entspannt sprachen wir gute 40 Minuten über meine Vorstellungen von der Uni, mein vorgeschlagenes Studentenprojekt, meine zurückliegenden Projekte. Gutes Gefühl. Sehr gutes sogar.
Um 14.00 Uhr folgte der erste Test. Meine kognitiven Fähigkeiten wurden anhand von Zahlenreihen, Rangfolgen und Grafiken getestet. Mit 30 Minuten Bearbeitungszeit kam ich zwar nicht ganz zum Ende des Testes, aber das war auch nicht so schlimm. Wichtig war nur, dass man sich bei den Sachen, die man ankreuzt, sicher ist. Jede falsche Antwort gibt Abzug, jedes ausgelassen Antwort "nur" keinen Punkt.
Trommelwirbel.Um 15 Uhr folgten dann das zweite und vermeintlich gewichtigere Interview. Ich wurde von Frau van den Berg (Professorin für Kulturmanagement) und einem externen Berater (der Anwalt) befragt bzw. durchleuchtet. Der Anwalt hielt sich bis auf zwei Fragen (eine allgemein über die Fallstudie am Morgen und eine konkrete Frage über meine Lernmethoden) zurück. Dafür forcierte Frau van den Berg das Gespräch und testete, ob ich wirklich davon überzeugt bin, an die ZU zu wechseln und ob ich ein Studium dort auch schaffen würde.
"Warum wollen sie eigentlich nochmal studieren, nachdem sie ja schon 7 Semester Soziologie studiert haben?"
"Ihre Leistungen in der Schule und in der Uni waren ja sehr durchwachsen und alles andere als gut. Gedenken sie ihre Noten an der ZU zu steigern?"
"Denken sie nicht, dass eine praktische Ausbildung viel besser wäre für sie?"
"Haben sie gar keine Zweifel daran, dass ein Studium an der ZU zu viel für sie wäre?"
"Welche Motivation treibt sie eigentlich an die ZU?"
"Interpretieren sie bitte dieses Foto! Was sehen sie, was fühlen sie?"
Nach knapp einer Stunde war das Gespräch beendet und ich hatte das Gefühl, dass ich die größte Hürde genommen hatte. Ich hatte mir keine Blöße gegeben und konnte genau die Punkte vorbringen, die mir wichtig sind. Mal sehen, ob Frau van den Berg das genauso sieht.
Zwischen16 Uhr und 16.45 Uhr absolvierte in den abschließenden Englischtest, der vor allem auf Sinnhaftigkeit und Grammatik aus war und für manche eine Schwierigkeite darstellte, im Endeffekt aber nur dazu dient, eine spätere Einordnung in einen Englischkurs vorzunehmen.
Zwischen den verschiedenen Tests und Interviews traf ich dann immer wieder meine Gruppe und die anderen Mitbewerber. Viele hatten das Gefühl, in ihren Interviews mit den Professoren der Uni, richtig auseinandergenommen geworden zu sein und waren etwas konsterniert und wussten nicht wirklich, wie sie das gerade erlebte einschätzen sollten und konnten.
Aber Hoffnung zeichnete sich bei vielen trotzdem ab, vor allem durch die Fallstudie am Morgen und der Harmonie und Sympathie innerhalb der Gruppe der Mitbewerber.
Um 17 Uhr folgte dann der zwischenzeitliche Schlußpunkt: Tim Göbel verabschiedete sich von uns und holte noch Feedback von den externen Beratern und uns Bewerbern ein. Anschließend tagten die verschiedenen Auswahlkommisionen (für jede Gruppe eine Kommision mit den Menschen, die dich interviewten) und fällten gestern Abend/Nacht bereits ein Eintscheidung darüber, ob du ein Angebot von der ZU bekommst. Alle Stimmen sind gleichgewichtig und eine Entscheidung muss einstimmig gefällt werden.
Maximal 30 Studierenden werden pro Studiengang und Semester genommen. Im letzten Sommersemester wurden aber auch nur 14 Studenten für beide Bachelor-Studiengänge genommen. Es werden demnach wirklich nur die genommen, die auch wirklich - aus Sicht der Judges - das zeug dazu haben, an der ZU zu studieren.
Herr Göbel hatte noch einen Tipp für uns: diejenigen, die einen Absage bekommen, sollten nicht an sich zweifeln. Vielleicht hatten sie einen schlechten Tag, die falschen Interviewpartner, vielleicht ist aber auch die ZU einfach die falsche Uni für sie.
Alles ist möglich und nichts ist gesichert.
Danach verstreuten sich alle Bewerber in die verschiedenen Himmelsrichtungen. Ich ass mit Jonas, drei Mitbewerberinnen und unserem Taxifahrerschreck noch zu Abend und fuhr dann gen Bamberg. Um 23.35 Uhr und nach knappen 3.20 Stunden Heimfahrt erreichte ich wieder meine Wohnung.
Was bleibt von diesem Event? Zuversichtheit und die Gewissheit, dass ich gut bin. Egal, welche Entscheidung gefällt wird.
Warten auf Dienstag und den Postboten. Und das Kribbeln ist wieder da.