Montag, Dezember 26, 2005

Suedamerika Teil 1: Lima, die Hauptstadt Perus

Weihnachten einmal ganz anders: Mareike und ich haben nach meiner Ankunft in Lima die ersten Tage in Lima verbracht. Lima hat offiziell 8 Millionen Einwohner, wobei mit den umliegenden Slums und Landfluechtlingslagern locker 11 Millionen "limeños" zusammenkommen.

Der "plaza mayor" im Zentrum Limas besteht aus vielen kolonialen Bauten und einigen Kirchen, die zahlreiche Erdbeben ueberlebten. Mit einem der vielen Kleinbusse sind wir von "Miraflores", einem sehr schoenen Stadtteil Limas direkt an der Westkueste Perus, die "Avenida Arequipa" entlang gefahren und haben zum ersten Mal "aermlichere" Bezirke gesehen - allerdings nichts gegen die Slums ausserhalb der Stadt.

(Plaza de Armas im Zentrum von Lima; Quelle: http://www.virtualperu.net/images/cities_lima_plmayor_crook.jpg)

Auch in Lima trennt ein Fluss die arme Bevoelkerung von der nicht so armen Bevoelkerung. Aus abgenutzten Boxen plaerrt uns "Gasolina" entgegen; ein Lied, dass selbst in Deutschland auf Platz vier der Charts in diesem Sommer vordringen konnte. Ich trinke eine "Inka Kola", einer der wenigen Konkurrenten von Coca Cola. Um genau zu sein: Coca Cola hat auch diese Firma aufgekauft. Doch die Peruaner sind stolz auf ihr Getraenk und auf vielen Tischen steht das gruene Gesoeff. Es schmeckt wie eine Mischung aus Hubba-Bubba und Zucker :-)

Mit einem Bus fahren wir auch wieder in unser Stadtviertel zurueck. In Lima fahren nahezu nur Kleinbusse und Taxen. Jeder, der ein eigenes Auto hat, muss aufpassen, dass es ihm nicht unter dem Hintern wegrostet. Gebrauchtwagen sind hier hoch im Kurs, vor allem wenn sie schon auseinander fallen und mindestens zehn Schrammen haben.

(Blick aus unserem Hotel in Miraflores)

"Miraflores" ist der krasse Gegensatz zu "Central Lima". Dieses wird von amerikanischer Bauweise aus den 70er Jahren bestimmt. Seht euch mal alte amerikanische Serien: die Hotels auf Acapulco oder Hawaii sehen genauso aus wie die scharz gerusten Hotels in Lima Innercity. Das tolle Sheraton, weltweit fuer seine fuenf Sterne bekannt, ist pechschwarz. Gesundheitsbewusste Menschen wuerden wohl eine Schutmaske tragen, damit nicht alle Abgase ungehindert in die Atemwege dringen. Ein bisschen erinnert mich Lima in diesem Bezirk auch an Osteuropaeische Staedte wie Budapest und/oder Bukarest. Der Baustil ist aehnliche, der Zustand der Haeuser ebenfalls. "Heruntergekommen" wuerde den Zustand beschoenigen.
Dagegen ist Miraflores" wunderschoen und idyllisch am Meer gelegen. Durch ein gutes Hotel fuer 20 $ die Nacht haben Mareike und ich einen "ungewohnten" Komfort, den wir auf dem Rest unserer Reise nicht allzu oft haben werden: taeglich wechselnde Handtuecher und Bettwaesche, Klopapier und warmes Wasser. Fuer den Anfang meiner Tage in Peru sicherlich gut.

Weihnachten einmal anders: ein Caffe Latte und ein Cappucino um 21.00 Uhr am Weihnachtsabend in dem letten geoeffneten Bistro direkt an den Klippen ueber der Kueste. Ein abendlicher Spaziergang durch den Bezirk und einige Familien, die Weihnachten tatsaechlich sichtbar feiern. Und ueberall wird "Feliz Navidad" und vergleichbare Gassenhauer der Weihnachtszeit gespielt - natuerlich auch "White Christmas", welche es in Peru sicherlich nur in den Anden geben wird.

Lima - ein pulsierender Moloch, der seine schoenen Seiten hat. Und ganz anders als europaeische Staedte.

Freitag, Dezember 16, 2005

"Let's leave a mark" - aktuelle Tipps der Musikredaktion

"Ich hasse es so sehr, wenn ich aus dem Fenster schau und alles ist grau!"
Aus dem Song "Grau" von Die Ärzte aus deren Album "13"

Heute bekommt mich keiner mehr aus dem Haus. Der Winter hat begonnen: eisige Kälte, Schneefall und ein grauer Dunst über der Stadt. Genau der richtige Zeitpunkt, um entweder 1. Fernseh zu sehen oder 2. Musik zu hören oder 3. ein gutes Buch zu lesen. Der Titel nimmt es vorweg: Musik hören ist angesagt.

Empfehlen möchte ich euch Bands, die in Deutschland noch nicht allzu bekannt sind. Trotzdem werden sie sich in eure Gehörgänge brennen und das Summen der Melodien wird nicht mehr abzustellen sein. Kurz um: ihre werdet abhängig.

Nephew aus Dänemark. Mit ihrem Single-Smasher "A wannabe Darth Vader" (sowohl auf Dänisch als auch auf Deutsch ein Hammerteil) rotieren sie seit einem Monat in den einschlägigen Musiksendungen (Rockzone & Spin) und lieferten einen genialen Liveauftritt bei Sarah Kuttner (die ich sonst keinem empfehlen würde, da ihre Sendung stinklangweilig ist). Wunderbar melodiös, nach vorne rockend und mit einem unglaublichen Arsch-Wackel-Potential gesegnet.

Black Light Burns aus USA. Die Besetzungsliste liest sich wie ein "Who-is-Who" des Modern Rock: Wes Borland (limp bizkit) übernimmt Vocals, Guitars, Bass, Keyboards & Programming, Danny Lohner (ex-NIN) ist für Producing, Guitar, Bass, Keys & Programming zuständig, Josh Eustis (Telefon Tel Aviv) kümmert sich um Engineering, Programming, Keys & Sound Design, Josh Freese (A perfect Circle) liefert die Drums & Live Percussions. Hört euch mal die Soundfiles an und macht euch ein Bild von dieser Band, die 2006 richtig durchstarten wird. Remember my words.

José Gonzaléz aus Schweden. Ich bin mir sicher, dass dieser junge Mann im nächsten Jahr mit seiner Single "Heartbeats" (zu hören im aktuellen Sony Bravia Werbespot [der ohne Michael Ballack; mit den vielen bunten Pixeln]) richtig viel Erfolg haben wird. Mit viel Gefühl und Wehmut wie seinerzeit Nick Drake betört José mit seiner Gitarre. Für kalte Wintertage und leichte Schneedepressionen eignet sich dieses Stück Musikkunst formidabel.

JR Ewing aus Dänemark. Mit "Fucking & Champagne" begeistert der Fünferpack erneut. Ihr zweites Album "Maelstrom" wird von der Visions als Platte des Monats gefeiert - zu Recht. Die nächste Europatour sollte ausverkauft werden. Ich werde anwesend sein, so fern die Burschen auch nach Wien kommen werden und sich bis März Zeit lassen. Abfeiern.


Empfehlen will ich euch um kurz vor 23 Uhr noch drei "Altbekannte" Bands, die momentan immens präsent sind. Entweder durch "Heavy Rotation" auf MTVIVA oder durch stetiges Touren durch die Lande.

Madsen aus dem Wendland. "Ich bin in Paaaannnnikkkkkk!!!" Eine Live-Bombe der besonderen Art haben Madsen als offizielle Single aus ihrem aktuellen Album "Madsen" ausgekoppelt und damit den Fans ein Geschenk gemacht: das Brett auf jedem Konzert nun auch für das private Headbanging und Stagediving von der Kühlschrankkante. Solltet ihr euch für einen Kauf entscheiden: die Limited Tour Edition ist sehr empfehlenswert!

Muff Potter aus Münster (ursprünglich Rheine). Wünschen uns mit einer E-Card und einem Mp3-Geschenk frohe Weihnachten. Letzten Monat habe ich mit Balu die Mannen live gesehen, die mittlerweile 444 Konzerte gespielt haben. Derber Respekt von dieser Seite und ein großes "Danke" für dieses Geschenk mit einem wahrlichen guten Track aus dem aktuellen Album "Von wegen". Glaubt den Ärzten und supportet diese Band.

System of a Down aus Armenien/Amerika. "Mezmerize" und "Hypnotize" sind zwei geniale Alben. Musik auf hohem Niveau. Welche Platte besser ist, sollte man selbst herrausfinden. Vor allem: bitte kauft diese beiden Platten, da das Artwork von Daron Malakians Vater Vartan einfach unglaublich ist und das Booklet einer wunderbaren Aufmachung verspricht. Diese Songs gehören thematisch zusammen und ergänzen sich auf besondere Art und Weise. Dank der Grammy Nomminierung wird 2006 für System of a Down noch erfolgreicher als alle Jahre zuvor und bietet den vier Armeniern noch eine größere Plattform, um ihre Musik und ihre Ansichten über die aktuelle weltpolitische Lage einem formidablen Publikum näher zu bringen. Kaufen!

Vergesst mir Maximo Park nicht. 'I Want You to Stay' ab dem 20. Februar im Plattenladen eures Vertrauens.

Recruitment Event an der ZU Friedrichshafen (Teil 3): die Absage

Die Frustration war groß: die Absage der ZU aus Friedrichshafen kam überraschend. Eigentlich hatte ich ein gutes Gefühl als ich Friedrichshafen wieder Richtung Bamberg verliess. Doch meine vier Interviewpartner konnten sich nicht auf eine einheitliche Bewertung verständigen.

So kam, was kommen musste: "Leider können wir Ihnen keinen Platz an der Zeppelin University anbieten." Da kann man nur sagen: ZU, du bist selbst Schuld, wenn du mich nicht willst. Wir hätten sicherlich zusammengepasst. Aber wenn du nicht willst, dann kann ich dir auch nicht helfen.

Was kommt jetzt? Nach dem ersten Tag der Entscheidung, der niemals enden wollte, habe ich mich in Wien um meine Zulassung gekümmert. Nach einer Rückfrage beim Referat für Studienzulassung wurde mir dann mitgeteilt, dass mein Antrag auf Zulassung an einer österreichischen Universität "ab Jänner" bearbeitet wird. Wenigstens etwas.

Immer positiv denken. "So gut sind die nicht!" (Grüße an Nils)

Samstag, Dezember 10, 2005

Die WM-Auslosung und der deutsche Weg zum Weltmeistertitel

Was für eine Auslosung: Ecuador, Polen und Costa Rica. Urban Priol verkündete uns allen diese Hammergruppe und viele dachten, es sei ein guter Witz. Aber nein, Deutschland hat wirklich eine sehr gute Chance, ins Achtelfinale zu gelangen.
Hierzu eine Analyse von Achim Achilles, in voller stilistischer Blüte beim Spiegel nachzulesen. Hier einige Auszüge aus dem Kommentar:

"Costa Rica, Polen, Ecuador - da kommen allesamt nette Zeitgenossen her. Paulo Wanchope kickt in Katar, ebenso wie Polens Jacek Back, die Ecuadorianer haben ihre Quali-Punkte in Quito geholt, 2850 Meter über dem Meer. Derlei Gegner wissen sich zu benehmen und überlassen ihre Punkte artig dem Gastgeber."

"Wenn der deutsche Fußball etwas kann, dann in Auslosungen Glück haben. Richtig harte Gruppen hatten wir nie. Selbst die Gurkentruppe von 1978 (vgl."Cordoba") schaffte es nicht, schon in der Vorrunde auszuscheiden."

"Wer muss eigentlich nicht automatisch ans "Café King" (vgl. "Wettaffäre") denken, wenn er Fifa-Boss Joseph Blatter sieht?"

"Der etwas zerstreute Herr Köhler, der jetzt Merkels Bundespräsident ist, versteht leider gar nichts von Fußball. Er wünschte sich die Holländer in unsere Gruppe, einfach so."

"Wer aber tritt gegen uns an im Finale? Wer traut sich überhaupt? Klare Sache. Als taktischer Zweiter der Gruppe G erledigen sie erst die Ukraine, dann Brasilien im Viertel- und schließlich England imHalbfinale. Das Endspiel heißt also: Deutschland gegen Togo."

Deutschland wird Weltmeister. Auf jeden.

Urban Priol in Bamberg

Urban Priol gastierte gestern Abend (eigentlich vor wenigen Minuten, aber meine Uhr zeigt nun schon Samstag an) in Bamberg. 800 zahlenden Gäste im Hegelsaal feierten nach zweieinhalb Stunden Programm diesen großartigen Kabarettisten.
Sollte man Urban, der aus Aschaffenburg stammt, noch nicht live gesehen haben bzw. ihn nur aus den einschlägigen Sendungen im Fernsehen kennen: vergesst alles. Dieser Mann ist live eine Wucht. Sein Jahresrückblick umfasste wirklich alle "Highlights" der zurückliegenden 11 Monate. Umbedingt empfehlenswert.

Und liebe Grüße an die "Zonenwachtel"! Und Edmund dreht und dreht sich.

Donnerstag, Dezember 08, 2005

Rückblick: Pezeweng im Mach 1 am letzten Samstag

Das Mach1 in Nürnberg sagte laut "Servus".

Der ehemals renommierte Club und angeblich das "P1 Nürnbergs" schließt seine Pforten. Nach Jahren der Dekadenz entschlossen sich die Besitzer, auf der Spitze ihres Erfolgsmanagements den prosperierenden Club zu schließen.

Zum Abschluß durften wir aber nochmal richtig die Sau rauslassen: am letzten Samstag (quasi knapp vor einer Woche) feierten Matthias, "Gastgeber" Nils, Balu (welche Heldentat, du ach so großer Lord Knorke!) und ich bis in die frühen Morgenstunden. Fotos gibt es keine, aber ihr dürft uns glauben, dass wir tanzten bis die Socken qualmten und die Schuhsohlen durchgewetzt waren.

Milk & Sugar legten so geilen House auf und gastierten bis etwa 5.30 Uhr in Nürnberg. In der zweiten Area tanzten sich Nils und "der andere Matthias" die Hüften aus den Knochen und feierten auf guten amerikanischen Hip Hop ab - hier war ein Profi aus München am Werk.
Gegen 6.00 Uhr begleiteten wir Balu noch an den Nürnberger Bahnhof und genoßen ein leckeres Mahl mit geistig uns ebenbürtigen Essensgästen ("Wo wart ihr denn? - Im Mach. Und ihr? - Im ... ! - Ah, okay. - Sag mal Nils: war das nicht der Club, wo nur die ... reingehen? - Jap!!!") bei McDonalds.

Um 7.30 Uhr schliefen dann Matthias und ich beim Nils in der Megawohnung ein und entschlummerten noch einmal in die letzten Stunden im Mach1, den letzten Stunden des legendären Clubs. Wir durften beim glanzvollen Abgang mit dabei sein.
Danke.

Gut, dass man Freunde hat. Dickes Danke an Balu und Martin!

Nobelpreisträger Harold Pinter und seine berechtigte Kritik an der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika

Literaturpreisträger Harold Pinter, dem in diesem Jahr diese Ehre zuteil wurde, sparte in seiner Dankesrede nicht an Kritik an der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika. Seine Rede wurde heute veröffentlicht und wurde am Abend der Nobelpreisverleihung per Video den anwesenden Gästen vorgespielt.

Pinter formulierte seine These, dass "die politische Rhetorik den Bürger verdumme und ihm die Wahrheit vorenthalte" und begründete diese wiederum an dem Vorgehen der USA, die Pinter mehrere systematischer Verbrechen in aller Welt beschuldigt. "Amerika zerstöre souveräne Staaten mittels Korruption und verdeckter Gewalt", sagte Pinter und verwies auf vergangene Konflikte der USA mit verschiedenen Ländern: Indonesien, Griechenland, Uruguay, BRasilien, Paraguay, Haiti, Türkei, Philippinen, Guatemala, El Salvador und Chile. "Die Schrecken, die Amerika Chile 1973 zufügte, können nie gesühnt werden. In diesen Ländern hat es Hunderttausenden von Toten gegeben. Hat es sie wirklich gegeben? Sind sie wirklich alle der amerikanischen Außenpolitik zuzuschreiben? Die Antwort lautet ja", so Pinter in seiner Rede.
Als zusätzliche Erklärung von mir: die USA unterstützte nach dem Selbstmord des damalaigen chilenischen Präsidenten Allende das darauffolgenden Militärregime, angeführt von General Augusto Pinochet.

Weitere Ausführungen von Harold Pinter könnt ihr auch hier nachlesen.

Niemals die Augen vor der Vergangenheit verschließen. Und trotzdem im Hier und Jetzt leben.

Recruitment Event an der ZU Friedrichshafen (Teil 2): das Auswahlverfahren

Dienstag, 17.25 Uhr:

Pünktlichst und leicht genervt wegen einer verpassten Autobahnabfahrt erreichte ich die ZU in Friedrichshafen. Alle Teilnehmer traffen sich am Campus I am Seemooser Horn nur fünf Minuten später. Eine Mitbewerberin und einen Mitbewerber kannte ich schon von dem H.I.T. der ZU Mitte November.
Wir traffen uns alle im Großen Hörsaal (dieser könnte maximal 120 Studenten fassen), dem "Ort der Lüge", und lernten Tim Göbel und Sonja Heilig kennen. Herr Göbel vertratt den Rektor und moderierte unseren Recruitment Event. Frau Heilig kümmerte sich bereits im Vorfeld um unsere Bewerbungen und organisierte auch diesen Event mit.

Mit den Taxen ging es danach in unsere Übernachtungsstätte - dem SeeHotel an der Uferpromenade Friedrichhafens. Jetzt wussten wir auch endlich, wofür wir 90 € bezahlen mussten: 65 € hiervon gingen schonmal für das Hotelzimmer und das Frühstück drauf. Nach dem kurzen Check-In stand dann eine Veranstaltung der BürgerUniversität der ZU auf dem Programm: ein Vortrag von Dr. Donner zum Thema Wirtschaftsethik. Interssant. Es sollte eine Einstimmung für den morgigen Tag sein und uns für das, was die ZU neben dem reinen universitären Betrieb noch veranstaltet, sensibilisieren. Wir diskutierten lange in der Gruppe über die angesprochenen Themen und waren uns alle einig: es lässt sich virtrefflich streiten.

Danach ging es wieder zurück ins Hotel: Abendessen. Wir durften bestellen, was wir wollten - schließlich hatten wir ja noch 35 € offen, die noch keine weitere Verwendung gefunden hatten. Alle Bewerber sowie Tim Göbel und Sonja Heilig sassen an einem Tisch. Wir forcierten unser Kennenlernen und merkten schnell, dass wir alle eigentlich gut miteinander harmonieren bzw. und wenigstens gut verstehen. Ausnahmen bestätigten die Regel: Leander hob sich etwas von der "Masse" der anderen Bewerber durch sein Auftreten ab. Nun gut: inszenatorisch brachte ihm sein Verhalten keine Vorteile.

Zusammen mit meinem Zimmerkollegen Jonas aus Potsdam und noch weiteren Mitbewerbern fuhren wir danach noch auf die Erstsemesterfeier der ZU in diesem Wintersemester. Im "Club Parfum" konnten wir uns einen gewissen Eindruck von den Studenten machen, die es bereits an die ZU geschafft hatten und waren uns einige, dass wir - die Neuen - noch etwas Schwung in die Gesellschaft bringen könnten. Gegen 00.30 Uhr verschwanden dann auch die Letzten (wir) in ihre Zimmer und ich

Mittwoch, 7.05 Uhr:

Der Wecker klingelte unerbittlich und Jonas war bereits fix und fertig, geschniegelt und gestriegelt und verschwand sogleich zum Frühstück. Ich erkannte den Mann im Spiegel nur schemenhaft und freute mich über das warme Wasser aus der Dusche.
Nach dem Frühstück und den ersten Nervositäten (Jonas: "Jetzt ist mir schlecht.") wurden wir von den Taxen wieder an den Campus gefahren. "Pünktlich" um 8.30 Uhr begann der eigentlich Recruitment Event.

Alle entscheidenden Personen stellten sich vor, unter anderem die vier externen Beobachter (ein Anwalt, ein Richter, ein pensioniertes Aufsichtsratsmitglied, eine Verwaltungsdame) und Angestellte der ZU, die an diesem Tag darüber entscheiden würden, wer von uns Bewerbern ein Studienangebot der ZU bekommt.
Wir wurden in vier Gruppen eingeteilt. Danach stellte die Leitern des "Eine-Welt"-Laden aus Friedrichshafen uns die Themenstellung vor:

Wie kann man den Umsatz des gemeinnützigen Ladens steigern?
Wie vermittelte ich den Bürgern das Image des "Eine-Welt"-Ladens?
Wie kann ich Produkte wie Kaffee und Holzkunstwerke besser vermarkten?

Wir hatten 90 Minuten Zeit und ich machte mich zusammen mit Sarah, Estelle und Eva ans Werk. Zur Vefügung hatten wir alle Infos über die "Eine-Welt"-Dachorganisation und die Gegebenheiten in Friedrichshafen. Dazu noch eine Flipchart, einen dicken Eding und unsere Ideen. Wir sollten eine 5-minütige Präsentation vorstellen, in der die oben erwähnten Fragen beantwortet werden sollten und konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Lage des "Eine-Welt"-Ladens in Friedrichshafen.

Alle Gruppen stellten ihre Ergebnisse vor und bei manchen fragten die "Experten" aus der Runde auch nach. Gruppe 4 (die Gruppe mit mir) schnitt bei der Leiterin des Ladens am besten ab, da wir aus ihrer Sicht die besten und konkretesten Vorschläge geliefert hatten. Vielen Dank, aber ob dies auch die Judges überzeugen konnte?
Alle Gruppen wurden vor allem für den Vortrag der Ergebnisse gelobt und die schnelle Auffassunf und Umsetzung des Themas und der Fragestellung. Wir alle haben uns gut geschlagen, manche aber etwas besser bzw. schlechter als andere.

Break.

Mittagessen im Italiener, der Mensa der ZU. Wir hatten ein paar Minuten mehr zum Verschnaufen. Es war widerliches Wetter, kalt und regnerisch. Doch der Duft des Bodensees und des Wassers erfrischte meine Zellen und pumpte frischen Sauerstoff in mein angestrengtes Köpfchen.

Um 13.00 Uhr startete ich mit meinem ersten Interview. Basierend auf meiner Bewerbung interviewten mich zwei Personen - in diesem Fall eine Studentin aus dem 3. Semester und eine Angestellte aus der Verwaltung aus der ZU. Sehr locker und entspannt sprachen wir gute 40 Minuten über meine Vorstellungen von der Uni, mein vorgeschlagenes Studentenprojekt, meine zurückliegenden Projekte. Gutes Gefühl. Sehr gutes sogar.

Um 14.00 Uhr folgte der erste Test. Meine kognitiven Fähigkeiten wurden anhand von Zahlenreihen, Rangfolgen und Grafiken getestet. Mit 30 Minuten Bearbeitungszeit kam ich zwar nicht ganz zum Ende des Testes, aber das war auch nicht so schlimm. Wichtig war nur, dass man sich bei den Sachen, die man ankreuzt, sicher ist. Jede falsche Antwort gibt Abzug, jedes ausgelassen Antwort "nur" keinen Punkt.

Trommelwirbel.

Um 15 Uhr folgten dann das zweite und vermeintlich gewichtigere Interview. Ich wurde von Frau van den Berg (Professorin für Kulturmanagement) und einem externen Berater (der Anwalt) befragt bzw. durchleuchtet. Der Anwalt hielt sich bis auf zwei Fragen (eine allgemein über die Fallstudie am Morgen und eine konkrete Frage über meine Lernmethoden) zurück. Dafür forcierte Frau van den Berg das Gespräch und testete, ob ich wirklich davon überzeugt bin, an die ZU zu wechseln und ob ich ein Studium dort auch schaffen würde.

"Warum wollen sie eigentlich nochmal studieren, nachdem sie ja schon 7 Semester Soziologie studiert haben?"
"Ihre Leistungen in der Schule und in der Uni waren ja sehr durchwachsen und alles andere als gut. Gedenken sie ihre Noten an der ZU zu steigern?"
"Denken sie nicht, dass eine praktische Ausbildung viel besser wäre für sie?"
"Haben sie gar keine Zweifel daran, dass ein Studium an der ZU zu viel für sie wäre?"
"Welche Motivation treibt sie eigentlich an die ZU?"
"Interpretieren sie bitte dieses Foto! Was sehen sie, was fühlen sie?"

Nach knapp einer Stunde war das Gespräch beendet und ich hatte das Gefühl, dass ich die größte Hürde genommen hatte. Ich hatte mir keine Blöße gegeben und konnte genau die Punkte vorbringen, die mir wichtig sind. Mal sehen, ob Frau van den Berg das genauso sieht.
Zwischen16 Uhr und 16.45 Uhr absolvierte in den abschließenden Englischtest, der vor allem auf Sinnhaftigkeit und Grammatik aus war und für manche eine Schwierigkeite darstellte, im Endeffekt aber nur dazu dient, eine spätere Einordnung in einen Englischkurs vorzunehmen.

Zwischen den verschiedenen Tests und Interviews traf ich dann immer wieder meine Gruppe und die anderen Mitbewerber. Viele hatten das Gefühl, in ihren Interviews mit den Professoren der Uni, richtig auseinandergenommen geworden zu sein und waren etwas konsterniert und wussten nicht wirklich, wie sie das gerade erlebte einschätzen sollten und konnten.
Aber Hoffnung zeichnete sich bei vielen trotzdem ab, vor allem durch die Fallstudie am Morgen und der Harmonie und Sympathie innerhalb der Gruppe der Mitbewerber.

Um 17 Uhr folgte dann der zwischenzeitliche Schlußpunkt: Tim Göbel verabschiedete sich von uns und holte noch Feedback von den externen Beratern und uns Bewerbern ein. Anschließend tagten die verschiedenen Auswahlkommisionen (für jede Gruppe eine Kommision mit den Menschen, die dich interviewten) und fällten gestern Abend/Nacht bereits ein Eintscheidung darüber, ob du ein Angebot von der ZU bekommst. Alle Stimmen sind gleichgewichtig und eine Entscheidung muss einstimmig gefällt werden.

Maximal 30 Studierenden werden pro Studiengang und Semester genommen. Im letzten Sommersemester wurden aber auch nur 14 Studenten für beide Bachelor-Studiengänge genommen. Es werden demnach wirklich nur die genommen, die auch wirklich - aus Sicht der Judges - das zeug dazu haben, an der ZU zu studieren.

Herr Göbel hatte noch einen Tipp für uns: diejenigen, die einen Absage bekommen, sollten nicht an sich zweifeln. Vielleicht hatten sie einen schlechten Tag, die falschen Interviewpartner, vielleicht ist aber auch die ZU einfach die falsche Uni für sie.

Alles ist möglich und nichts ist gesichert.

Danach verstreuten sich alle Bewerber in die verschiedenen Himmelsrichtungen. Ich ass mit Jonas, drei Mitbewerberinnen und unserem Taxifahrerschreck noch zu Abend und fuhr dann gen Bamberg. Um 23.35 Uhr und nach knappen 3.20 Stunden Heimfahrt erreichte ich wieder meine Wohnung.

Was bleibt von diesem Event? Zuversichtheit und die Gewissheit, dass ich gut bin. Egal, welche Entscheidung gefällt wird.

Warten auf Dienstag und den Postboten. Und das Kribbeln ist wieder da.

Donnerstag, Dezember 01, 2005

Recruitment Event an der ZU Friedrichshafen (Teil 1): die Einladung

Heute morgen, 10.37 Uhr:

Nachdem ich bereits um 8 Uhr wach war und den Spanischschein von Mareike im Sprachenzentrum abholen wollte, klickte ich in meinem Outlook auf den beliebten Button "Senden/Empfangen". "Eine neue Mail" wurde mir angezeigt:

Die ZU in Friedrichshafen hat mich zum Recruitment-Event eingeladen. Am 6. und 7.12. werde ich in Friedrichshafen mit meinen Mitbewerbern eine Fallstudie bearbeiten, zwei Interviews mit Verantwortlichen der ZU führen, einen Englischtest absolvieren und meine kognitiven Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Meine Bewerbung hat überzeugt. Ein gutes Gefühl, welches mir ein Lächeln auf mein Gesicht zaubert.

YES! Let's get ready to rumble.