Mittwoch, Januar 18, 2006

Suedamerika Teil 10: Salar de Uyuni und die Atacama Wueste

Um 10.30 Uhr waren wir, mit deutscher Puenktlichkeit ausgestattet, im Buero der Travel Agency eingetroffen. Mit uns warteten noch Paul aus England und Nichole aus USA (wohnhaft in London) auf den Startschuss unserer Tour. Nach einstuendigem Warten und dem Einsammeln von zwei weiteren deutschen Touristen konnte unser Abenteuer beginnen.

Drei Personen pro Sitzbank und ein geraeumiger Toyota Jeep: unser Zuhause fuer die naechsten vier Tage. Am Anfang kamen uns die beiden Mitte 40er aus Deutschland schrullig vor, doch je laenger die Reise dauerte, desto mehr Reiseerfahrungen und -erlebnisse (Venezuela, Guatemala, Honduras,...) erzaehlten sie uns und umso schoener wurde auch unser Trip.

Begleitet wurden wir noch von unserem bolivianischen Fahrer und Guide Oleguer und seiner Frau, die uns bekochen sollte und immer auf dem Beifahrersitz den ungestuehmen, aber nachvollziehbar maennlichen Fahrstil ihres Mannes mit einem vorwurfsvollen Blick nach links bewertete. Unser Fahrer war wie ein kleines Kind: am liebsten durch jede Pfuetze durchfahren, damit es an den Seiten nur so spritzt und der Jeep richtig benutzt aussieht.

Nach einer Stunde Fahrtzeit drangen wir dann mit unserem Vehikel in den Salar de Uyuni ein, der groessten Salzwueste der Welt. 11.000 Quadratkilometer gross, nur weiss und ab und an ein paar Wasserpfuetzen. Unbeschreiblich und selbst auf unseren Fotos nicht wiedergebbar. Exemplarisch ein paar Fotos vom Salar, die manche von euch auch per Mail bekommen haben:

(Morgengymnastik auf dem groessten Salzsee der Welt)

Wir fuhren mit 90 Stundenkilometern insgesamt 4 Stunden durch den Salar, am Horizont nur weisses Salz zu erahnen. Erster Stopp war ein Salzhotel, zweiter Stopp die Isla Pescada, die einfach mitten in dieser Wueste stand und ein perfekter Aussichtspunkt ueber den ganzen Salar bietet. Mit Kakteen bewachsen, bildete diese Insel den idealen Ort fuer unsere erste Mahlzeit.
Unsere beiden Begleiter hatten alles auf dem Dach des Jeeps dabei: Gaskocher, Tisch, Stuehle, Getraenke, Lebensmittel, Planen. Top ausgestattet genossen wir unser erstes Mahl unter der gleisenden Sonne Boliviens. Unsere beiden Vegis Nichole und Mareike begnuegten sich diesmal mit etwas weniger, da unsere Koechin auf Vegis nicht ganz eingestellt war.

Nach der Weiterfahrt durch den Salar begann es zu regnen und wir hatten einfach Glueck, dass wir den "trockenen Salar" ins seiner fast vollstaendigen Perfektion bewundern durften. Mit unserem Jeep kamen wir am spaeten Nachmittag in San Juan an, unserem ersten Uebernachtungsziel. Da wir erst gegen 12 Uhr in Uyuni losfahren konnten, waren wir mit die letzten in San Juan und kamen deswegen in den Genuss eines guten Zimmers. Alle anderen Fahrer versuchten natuerlich, ihre Kundschaft in moeglichts guenstige Unterkunft zu stecken, da am Ende mehr Verdienst uebrig bleiben wuerde. Wir hatten am Beginn unseres Trips einen Fixpreis fuer die vier Tage bezahlt (67,50 Dollar inklusive allem aus 50 Bolivianos Eintritten).

Unser erster gemeinsamer Abend mit den vier anderen Touris war sehr schoen. Wir hatten nur zwei Stunden Strom, da San Juan nur aus einfach Haeusern besteht und keine Elektrizitaet besitzt. Das Essen war koestlich, die Unterhaltung auf Englisch und Deutsch, querbeet durcheinandern. Im Laufe des Tages konnte wir uns auch schon an die Marotten von Nichole gewoehnen, die in jedem zweiten Satz "You know" sagt den Begriff/das Wort "like" nur selten nicht benutzt. Es drohte ein zweites "Yeah"-Disaster :-) Aber je schoener und schrulliger die Mitreisenden, desto unterhaltsamer die Reise.

Am naechsten Morgen ging es nach dem Fruehstueck wieder in den Jeep. Es hatte die Nacht ueber ununterbrochen geregnet und die Lehmstrassen waren aufgeweicht, matschig und glitschig. Einem Minibus wurde dies zum Verhaengnis: er blieb im Matsch stecken und konnte nicht mehr weiterfahren. Mit unermuedlichen Schaufeln versuchte der Fahrer, sein Gefaehrt wieder zu befreien. Ob es ihm gelang, wissen wir nicht. Nach einer halben Stunden Warten und Gaffen konnten die 9 Jeeps (darunter auch wir) weiterfahren, weil wir einfach an ihm vorbeifuhren. Normalerweise helfen sich alle Fahrer untereinandern. Warum diesen nicht geholfen wurde...hier nur eine Vermutung: billiger Anbieter, kein 4x4 Antrieb, keine Hilfe.
(Ein zweiter Jeep steckt fest...kommt aber Dank Seilwinde wieder frei)

Unser zweiter Tag fuehrte uns ueber Steinstrassen, Lehmpisten und kaum befahrbare Wege. Nichole fasste sich bei jedem Hubbel an die Stirn und simulierte Kopfschmerzen. Eine ihrere Marotten: Lippenstift! Natuerlich von Chanel. Aber nur fuer ihre trockenen Lippen ("Just for moisturizing, you know!") Ich war kurz davor zu fragen, ob ich ihn auch fuer meine trockenen Lippen verwenden duerfte.
An diesem Tag sahen wir insgesamt drei Lagunen, die in wunderbare Berglandschaften eingebettet waren und Teil eines riessigen Nationalparks waren. Wir bewegten uns durchgehend ueber 4200 Hoehenmetern und sahen schneebdeckte Berge, die sich im Wasser der Lagunen spiegelten. Unglaublich und auf manchen Fotos sogar zu erkennen. Atemberaubend!

Wir kamen relativ frueh in unsere Uebernachtungsmoeglichkeit an und mich ueberkam auf 4700 Hoehenmetern Schuettelfrost, Appetitlosigkeit, leichtes Fieber und Gelenkschmerzen. Von dem tollen Abendessen hatte ich nichts; genauso wenig von der Nacht: nach 6 Stunden Schlaflosigkeit und einer Aspirintablette konnte ich bis 4.30 Uhr meine Augen schliessen. Danach ging es schon weiter.

Der naechste Tag war noch gar nicht richtig angebrochen, da bestiegen wir wieder unseren Jeep. Wir hatten alle wenig Schlaf in unserem gemeinsamen Dorm bekommen und mussten uns den Schnarchattacken von Paul und dem Muenchner beugen. Der Grund fuer unseren fruehen Start: rauchende Geysire auf 5000 Hoehenmetern, die nur morgens aktiv waren. Nach dem kurzen Spektakel fuhren wir durch eine wunderschoene Schneelandschaft zu heissen Quellen, in denen wir baden haetten koennten. Es war schlichtweg zu kalt. Wir frohren alle schon in unseren dicksten Klamotten und bewunderten die abgehaerteten Hollaender und Argentinier, die sich entbloessten. Dafuer genossen wir unsere Pancakes, die am vorherigen Abend von unserer Koechin schon vorbereitet wurden.

(Zwei Verliebte in Bolivien)

Weiter ging es etwas tiefer (4200 Hoehenmetern) durch die Atacamawueste, die sich ueber Boolivien und Chile erstreckt. Wir waren am suedlichsten Punkt unserer Reiseroute sowohl von der argentinischen als auch von der chilenischen Grenze nur 15 Minuten entfernt. Unsere beiden deutschen Mitreisenden verliessen uns an diesem dritten Tag in Richtung Chile (San Pedro de Atacama). Wir hatten dadurch merh Platz im Jeep, mehr Essen fuer uns, aber zwei sympathische Menschen verloren. Es blieben Tussi-Nichole und Flirt-Paul. Neben der Lagune Colorado (schillernde Farben im Wasser, weisse Guanoinseln und tausende Flamingos) fuehrte uns dieser Tag noch an unsere letzte Uebernachtungsmoeglichkeit: ein kleines Dorf mit zwei kuenstlerisch eingerichteten Plazas. In der Mitte von Nichts stand dieser Ort, der sich vor allem vom Kinua-Anbau ernaehrte. Kinua ist eine Alternative zu Reis und schmeckt etwa wie Couscous. Besonderheit an der Unterkunft: eine heisse Dusche! Gold wert.

Am naechsten Tage - unserer Rueckreise nach Uyuni (wir waren nur noch 4 Stunden entfernt) - erfuhren wir dann, was Silber wert ist. In der Naehe von San Cristobal gibt es einen Berg voller Silber. Nachdem ein bolivianisches Unternehmen gescheitert war, dieses Silber abzubauen, liessen sie sich von einer kanadischen Firma ueber den Tisch ziehen: "Ihr ueberlasst uns den Berg, dafuer bauen wir euch Strassen, siedeln eure Leute um, bauen neue Doerfer und: ihr seid die ersten, die bei uns arbeiten duerfen." Leider wurde der Berg verkauft und wieder einmal wurde ein Kapitel "Korruptes Bolivien oder Wie ein Land voller Bodenschaetze nie etwas von dem Gewinn sehen wird" geschrieben. In etwa 30 Jahren gibt es den Berg nicht mehr und das Unternehmen zieht wieder weg. Dies bedeutet: die Arbeiter haben keine Arbeit mehr, haben die Landwirtschaft 30 Jahre lang vernachlaessigt, bekommen keinen Strom mehr und sind aermer als zuvor. Eine schreiende, gar bruellende Ungerechtigkeit! Wenigstens gibt es einige Bolivianer, die noch merken, was in ihrem Land vorgeht und die Aufklaerungsarbeit leisten.

Unser Tag endete mit einem Mittagessen direkt an der Strasse nach Uyuni mit leckeren Thunfisch, Reis, Kartoffeln, Gemuese und Orangensaft. Eine unglaublich beeindruckende und unbeschreiblich schoene Tour ging zu Ende. Unser Fahrer war ein Meister seines Fachs und fuhr uns durch die tiefsten Loecher, durch ueber Nacht entstandene Fluesse und ueber die schlammigsten Strassen. Unsere Koechin zelebrierte ein ums andere Mal ein leckeres Essen der einheimischen Kueche und erfreute uns immer mit ihrem herzhaften Lachen.

Ein Muss in Bolivien: Salar de Uyuni...ein Weltwunder.