Sonntag, Januar 08, 2006

Suedamerika Teil 2: die Ueberfahrt von Lima nach Arequipa mit dem Bus

(Karte von Wikipedia)

Die beiden groessten Staedte Perus trennen auf der Landkarte nur wenige Zentimeter. In Wirklichkeit erstreckt sich der Abschnitt der Panamericana zwischen Lima und Arequipa auf 1600 Kilometer, direkt an der Westkueste Perus.

Nach etwa einer Stunden verlaesst man die letzten Armensiedlungen Limas und begibt sich auf den Weg nach Sueden. Bei unserem Busunternehmen konnten wir auf unserem ersten Streckenabschnitt gleich zwei Filme begutachten: der erste war ein guter Film mit Jake Gyllenhaal, Robert de Niro und Susan Sarandon, der leider viel zu leise gezeigt wurde, so dass wir nicht wirklich etwas mitbekommen haben. Der zweite Film war auch auf englisch, dafuer aber viel zu laut und nicht empfehlenswert: Aeonflux/Serenity mit Charlize Theron - ein Actionfilm!

Erster Stopp nach vier Stunden war Pisco. Ein verschlafener Hafenort mit einem schoenen Plaza in der Mitte der Ortschaft. Von dort aus konnten wir eine Bootstour machen, in deren Verlauf wir Massen von Seeloewen, Humboldt-Pinguinen und Guano-abladenden Voegeln sehen konnten. Die Tour fuehrte uns dann noch in ein Naturschutzgebiet, mitten in einem Teil der beginnenden Wueste. Durch unseren Guide Silvio konnte wir so einen noch tieferen Einblick in die wundersame Landschaft an der Westkueste Perus bekommen.

Nach zwei Tagen ging es dann auf der Panamericana ins eine Stunde entfernte Ica; von dort aus direkt nach Huacachina, der Oase am Rande der Wueste. Wunderbares Entspannen in einem der Backpackerlodges war angesagt: der Magen streikte. Mareike konnte das Schwimmen im Oasensee geniessen und wurde gleich von mehreren kleinen Kindern bestuermt. Sie hat einfach eine magische Anziehung auf die "poccitos". Ich "relaxte" mehr oder minder auf dem Klo :-)
Am zweiten Tag experiementierte Mareike zum ersten Mal mit dem Sanboard und kam geschafft von der Sandbuggy-Tour zurueck. Da es mir wieder besser ging, stand fuer mich am dritten Tag in Huacachina meine erste Tour auf dem Programm, die einfach nur cool war - auch wenn der Sand immer noch nicht aus den Klamotten ist.

(Die Oase Huacachina in der Naehe von Ica)

(Unsere Sandboardclique vor der dritten Duene)

Zu guter Letzt folgte unser laengster Abschnitt auf der Strecke Lima-Arequipa: 12 Stunden von Ica nach Arequipa (Bus Terminal). Wir fuhren ueber Nacht, bemerkten von der Fahrt nur wenig und kamen sehr ausgeruht am naechsten Morgen in der "weissen Stadt"an. Filme wurden auf dieser Strecke nur einer gezeigt: Ocean's Eleven hatte einen Haenger und startete etwa 5 Mal und brach jedes Mal an der selben Stelle wieder ab. Gerade als es spannend wurde. Dafuer konnten wir dann in diesem peruanischen Bus das komplette Robbie Williams Konzert sehen. Ich wusste nicht - und haette es auch nicht erwartet - dass die Peruaner den Williams kennen.

Die Fahrt war angenehm, verging sehr schnell. Ueberrascht war ich von der langen Fahrt aus Lima heraus, eine halbe Stunde nur an Slums vorbei, in denen die Landfluechtlinge, die taeglich zu Hunderten nach Lima kommen, hausen. "Wohnen" ist das nicht mehr.
Eine andere "Eigenheit" haben wir auch kennen gelernt: auf einem kilometerlangen, schoenen Strandabschnitt lagen keine Touris, sondern wurden tausende von Huehnern gehalten. In kleinen, offenen Staellen; direkt am Meer. Kein Wunder, da die Peruaner anscheinend nur "pollo" essen: es gibt an jeder Ecke eine Polleria, selbst in Arequipa...

Peru entdecken. Auf einem Teilstueck der legendaeren "Panamericana".

Nachtrag:
Wenn man eine der Busreisen plant, ueberlegt man sich durchaus, ob man womoeglich eine Toilette benoetigt. Dieses Eigenschaft erhoeht den Preis fuer eine Busfahrt ungemein. Doch man sollte sich nicht zu viel versprechen: man bekommt keine europaeische Toilette angeboten.
Auf einer unserer Ueberfahrten wollte ich dann doch einmal meinem drueckenden Gefuehl Erleichterung verschaffen. Es war mitten in der Nacht, demnach war auch die Beleuchtung im Bus gedimt. Mit Muehe fand ich die Tuer zur Toilette, oeffnete diese und suchte vergebens nach einem Schalter, der meinen mueden Augen etwas Licht besorgen koennte. Nach langem Tasten und dem Einstellen meiner Augen auf die Dunkelheit erkannte ich lediglich ein blechfoermiges Gebilde mit einem Loch in der Mitte.
Die anderen Fahrgaeste bemerkten meine Verunsicherung und meinten lediglich: "Wozu brauchst du Licht?" Jedenfalls verstand ich dies als ihre Antwort (auf spanisch). Da die Strecke sehr bergig und damit mit vielen Serpentinen gespickt war, konnte ich mir schlichtweg nicht vorstellen, wie dieses Loch...ich erspare euch den Rest und ueberlasse alles andere eurer Fantasie.
Ich setzte mich wieder und konnte dafuer bei vollem Bewusstsein erleben, wie LKW in der Nacht ohne weite Sicht beim Ansatz einer Kurve ueberholt werden und wie man verkehrsberuhigende Betonhubbel auf der Strasse schlichtweg uebersieht, weil es zu dunkel ist.

Busfahren in Suedamerica: Immer ein Erlebnis.