Sonntag, Januar 15, 2006

Suedamerika Teil 7: Mountainbiking die Yungas hinab

(Die Yungas; Quelle: www.Wikipedia.de/Yungas)

Letzten Sonntag begann in aller Fruehe unsere eintaegige Mountainbike-Tour durch die Yungas. Nach einem gepflegten Fruehstueck (es gab zum ersten Mal Toasts mit Schinken und Ei) startete die internationale Gruppe aus 3 Deutschen (ausser uns war noch Roland aus Berlin dabei, der ein Jahr in Argentinien studiert hat), vier Schweizern, drei Hollaendern (Wisst ihr, wofuer "NL" auf den hollaendischen Autos auf deutschen Autobahnen wirklich steht? - Nur links! hahahahaha), einem Kanadier, zwei Australiern, zwei Englaendern und unseren bolivianischen Guides.

Nach kurzer Busfahrt stiegen wir in La Cumbre auf 4700 Metern Hoehe aus und ruesteten uns mit Radlerhosen, Sitzprotektoren und einem Mountainbike-Oberteil aus und rasteten den ersten Teil der Strecke hinunter. Der Asphalt bebte unseren Reifen und wir flogen durch die Kurven, immer steil der Strecke folgend. Nach etwa einer Stunde kam dann der erste Anstieg: Ich war mit in der Spitzentruppe und erklomm die Kuppe mit Leichtigkeit. Doch danach merkte ich den stechenden Schmerz in meinen Lungen: solch eine Anstrengung hatten sie wahrlich noch nicht erlebt. Ich aechzte auf dem Trekkingbike vor mich hin und musste den letzten Anstieg (insgesamt waren es drei Anstiege auf diesem Teilstueck) dann doch schieben. Die anschliessende Pause war ein Segen fuer meine Gesundheit.

Radfahren auf 4000-4700 Metern Hoehe ist verdammt anstrengend.

Kurz nach Pongo (3500 Hoehenmeter) ging es die "richtige" Strasse herunter. Ben (unser Guide) fuhr vorne weg: Schotter, Matsch und statt dem schnittigen Fahren in den Kurven musste man aufpassen, dass man nicht 1000 Meter in die Tiefe der Yungas faellt. Wir fuhren die "death road", eine Strasse, die La Paz mit dem Norden Boliviens verbindet und die immer noch eine der wichtigsten Verbindungsstrassen des Landes ist. Die "Strasse" ist etwa 8 Meter breit, so dass maximal ein LKW diese Strecke befahren kann. Natuerlich gibt es Gegenverkehr - versteht sich. Die Route, die dann 4 Stunden lang fuhren, erstreckte sich von 3500 Metern auf 1200 Metern. 2300 Hoehenmeter legten wir in dieser Zeit zurueck:

unter Wasserfaellen hindurch, an wunderbaren Aussichtpunkten vorbei, durch wahrlich moerderische Kurven (es starben auf solchen Touren bislang zwei Radfahrer; insgesamt sterben auf dieser Strecke etwa 350 Menschen pro Jahr), ueber Staubpisten (wir bekamen extra einen Mundschutz), an Bussen und LKW vorbei, mit bebenden Saetteln...unbeschreiblich!
Die Fotos, die Mareike und ich euch zuschicken werden bzw. die ihr bald in diesem Artikel sehen werdet, lassen erahnen, welchen aussergewoehnlicher Ausflug wir mitgemacht haben. Eine weitere Besonderheit: wir mussten immer auf der linken Seite heruntergefahren. Erklaerung: wenn man auf der linken Seite die Strasse hinab faehrt, hat der Fahrer immer auch das Lenkrad auf der linken Seite und sieht, wie nah er am Abgrund fahren kann!

Nach kleineren Pausen, einem ausgedehnten Essen, vielen Dreckspritzern auf dem Ruecken und meiner eingeoelten Hose kamen wir gegen 14 Uhr in Yolosa, einem verschlafenen Nest auf 1200 Metern, an und hatten die Fahrt verletztungsfrei ueberstanden. Nur eine der Hollaenderinnen aus unserer Gruppe stuerzte auf einem Teilstueck und verletzte sich im Gesicht (abends ging sie dann noch in die clinica: cut ueber dem Auge, stark geschwollene Backe, lila-farbene Haut, Schock)...Witze ueber das normale Fahrverhalten von Hollaendern auf ebener Strecke erspare ich euch an dieser Stelle.

Anschliessend fuhren wir auf der anderen Seite der Yungas nach Coroico, einem touristisch gepraegten Bergdorf, und freuten uns ueber warme Duschen, einen sauberen Pool und ein leckeres Buffet.

Die gleiche Strecke, die wir bis 14 Uhr hinab gefahren sind, mussten wir anschliessend mit unserem Versorgungsbus wieder hinauf. Und dies war unsicherer als das Mountainbiking! Als wir nach drei Stunden wieder auf einer asphaltierten Strasse waren, platzten unserem Bus hinten rechts prompt beide Reifen. Nur einen hatten wir zum Wechseln dabei, was aber kein Problem fuer Bolivianer ist: der "neue" Reife wurde vorne links platziert, der von vorne einfach nach hinten rechts montiert. Und der zweite geplatzte Reifen blieb natuerlich auf der Felge!

Muede und geschafft kamen wir mit Ravemusik aus den 90er Jahren gegen 20 Uhr wieder in La Paz an. Ein aufregender Tag, der wirklich alles in sich hatte.

Schotter, Matsch und Schmerzen in der Hand. So muss es sein!