Montag, Februar 27, 2006

"Wien ist anders" (1)

Teil 1: im Wurschtladen

Die Stadt wirbt mit dem Slogan "Wien ist anders" seit 2004 für sich und ihre Einzigartigkeit. Das man diese beschworene Mentalität schon im kleinsten Alltag spürt, habe ich heute mitbekommen!

Um die Ecke gibt es bei mir einen Markt, auf dem man nahezu alles bekommen kann. Bestellt man bei einer Wurstfachverkäuferin eine Lyoner, versteht sie dich nicht. Ein kleiner Lehrgang für den richtigen Umgang mit der Verkäuferin:

Lyoner heißt hier Extrawurscht.
Eine italienische Salami heißt hier Hauswurscht.
Will man 100 Gramm, muß man 10 Deger bestellen.

Dafür ist der Laden gut ausgestattet. Neben Milch und Brunch bekommt man Tomatenmark und sämtliche Dinge in Konserven, die es in Wien käuflich zu erwerben gibt.

War ich froh, dass ich zwei Kunden vor mir hatte und mir die richtigen Begriffe schnell einprägen konnte. Sonst hätte ich knallhart nix bekommen. Die Umstellung lohnt sich: die Verkäuferin war sehr freundlich und wird mich in den nächsten Wochen noch öfter sehen.

Wiener Türkisch: im Internetcafé fliegen einem die Worte um die Ohren.

Freitag, Februar 24, 2006

Ciao Punto

Am Freitag habe ich mein geliebtes Auto verkauft. 76475 Kilometer haben wir miteinander verbracht. Ganze drei einhalb Jahre waren wir unzertrennlich. Liebevoll habe ich ihn gepflegt und war dann doch über seine Kratzer im Lack überrascht.
Sein Schwarz strahlte in der Sonne und sein Stolz wurde durch die sportliche Karosserie unterstrichen. Aus meinen Boxen und dem Subwoofer hämmerte die Musik, die ich über den 5-fach CD-Wechsler einspeiste und meine Ohren umspielte.


(Ein Foto aus glücklichen Tagen: mein Punto und ich, anno 2004)

Treuer Freund, ich gebe die ungern fort. Doch es muss sein. Du wirst abgelöst, schweren Herzens, von der Wiener U-Bahn. Ich hoffe, du kommst in pflegliche Hände (eine 19-Jährige) und wirst ab und an auf der Autobahn kräftig getreten. Deine 16 Ventile sollen aus deinem 1.4 Liter Motor die letzten Tropfen herausholen. Auf das deine 6-Gang-Schaltung noch ewig halten wird.

Gehab dich wohl, treuer Freund. TÜV hast du ja noch.

Donnerstag, Februar 16, 2006

Orange ist die Farbe des Sommers

Der Wecker klingelte um 8.30 Uhr. Der Weg war schon vorgezeichnet: mit der U1 zum Schwedenplatz, dann mit der U4 Richtung Spittelau und ab in die U2 zur Universität. Ich wollte mich endlich an der Uni Wien einschreiben.

Im Hauptgebäude wurde die Immatrikulation in die Abteilungen "österreichisches Reifezeugnis" und "nicht-europäisches Reifezeugnis" unterteilt. Ich stand nun mehr in einer Reihe mit Menschen, die ich nicht verstehen konnte. Neben türkisch, kroatisch oder russisch hörte ich zweimal auch eine deutsche Stimme heraus.
Nach einer Stunde Wartezeit durfte ich dann eintreten und wurde von dem jungen Mann auf einen Stuhl beordert. Mein Vorwarter musste noch die letzten Details für seinen noch in der Türkei wartetenden Bruder abklären und wurde freundlich, aber bestimmt auf die nächste Woche verwiesen.
Meine Immatrikulation verlief schnell und unkompliziert. Ich legte den Studienbeleg vor, durfte meinen Studentenausweis ausfüllen und schob meine EC-Karte in den dafür vorgesehenen Schlitz. Wutsch, da waren 375 € futsch und wurden von meinem Konto abgebucht. Nachdem ich meine Semestergebühren bezahlt hatte, bekam ich meine Studienbelege und durfte mich erfolgreich "Student der Uni Wien" nennen.

(Passt das kleine Schwarze zu meinem neuen Studentenausweis?)

Anschliessend konnte ich dann mit meinem Beleg mein Semesterticket lösen und freue mich schon auf meine endlosen Fahrten mit dem Bus, der S-Bahn und der U-Bahn, um den monatlichen Preis von 30 € wieder reinzufahren. Aber ohne das Ticket ist man in Wien als Student entweder nach vier Monaten bettelarm oder hat den Dukatenesel bei sich im Keller stehen.
Dort nächtigen bei mir schon vier osteuropäische Kleinfamilien, die mir meine Wohnung samt Miete erst ermöglichen. Im Sechs-Stunden-Takt werden die Stockbetten gewechselt. Mehr Schlaf braucht der Mensch nicht; und überhaupt wird Schlaf sowieso überschätzt. Ich strebe eine ökonomisch sinnvolle Auslastung meines noch ungenutzten Platzes an.

Einen weiteren Vorteil haben diese Untermieter für mich: ich muss mir keine Sorgen machen, dass bei mir eingebrochen wird. Seit der EU-Osterweiterung sind die Einbruchsdelikte in Wien immens angestiegen und jedem wird eine gesonderte Haushaltsversicherung empfohlen. Aber ich habe ja meinen Wachschutz im Keller sitzen.

Suche Untermieter, biete Kellerabteil.

Sollten sich Personengruppen durch meine Beschreibung angesprochen und sich gekränkt fühlen, bitte ich meinen Bericht zu entschuldigen. Humoristische Freiheit, ob gut oder schlecht, sollte Grenzen nicht überschreiten. Die Auswirkungen solcher Grenzüberschreitung sind leider seit wenigen Wochen weltbekannt.

Mittwoch, Februar 15, 2006

8.000 € für einen Quadratmeter: keine Seltenheit im 1. Bezirk

Der erste Bezirk in Wien ist der Schönste. Umgeben vom Stephansdom, vielen kleinen Gassen, der Kärtner Straße, der Wiener Oper und tausend Geschäften fühlen sich die Wiener richtig wohl. Sollte man wirklich auf die Idee kommen, dort wohnen zu wollen, muss man einiges auf der hohen Kante habe. Der Quadratmeter kostet zwischen 100 € und 8.000 €, wobei dieser Preis die potentiellen Käufer/Mieter nicht abschreckt.

(Teil meiner Wohnungsbesichtigung: 550 € warm, dafür mobil und mit Parkausweis sogar in jedem Bezirk parkbar)

Sollte man zu den Normalsterblichen gehören, die sich mit einer "normalen" Wohnung begnügen, stehen einem alle anderen Bezirke (2-22) zur Verfügung.

Je nach Preisklasse ist für jeden etwas dabei. Ob direkt an der U-Bahn-Station, in der Nähe eines Parks, an der Donau oder direkt auf der Straße: Wien bietet alles.

Suchst du noch, oder wohnst du schon?

Dienstag, Februar 14, 2006

Welchen Schlüssel hättens denn gerne, der Herr?

Heute mittag konnte ich den Mietvertrag unterschreiben und habe meine 16 Schlüssel (!) bekommen. Da meine Wohnung auf drei Jahre befristet ist, zahle ich warm 448 €; wenn sie unbefristet wäre, müsste ich 100 € pro Monat mehr zahlen. Ich freue mich dementsprechend über meine drei Jahre in dieser Wohnung. Danach wird man weiter sehen.

(Die 13 wird meine Glückszahl; meine Wohnung ist im 2. Stock, Top 9)

Der erste Abend in meiner neuen Wohnung steht an. Mein Nachtlager ist schon ausgebreitet, nur die Heizung will noch nicht richtig wärmen.

(Gegen die Kälte: fünf Decken von unten, Isomatte und wärmende Decke von oben)

Am Rande bemerkt: die Bahncard kostet in Österreich gerade einmal 19,90 € im Jahr. Sollte jetzt noch in meinem Studentenbeitrag ein Semesterticket inklusive sein, dann wäre alles perfekt. Die Wiener Linien hingegen langen bei Studenten richtig zu. Das Semesterticket kostet für vier Monate schlappe 117 €. Dafür darf ich aber auch tagelang, gar wochenlang, nonstop mit den U-Bahnen, Bussen und S-Bahnen. Das haben sie nun von ihren teuren Verkehrsmitteln.

(Auskennen wie in seiner Westentasche: Irrwege in der Wiener U-Bahn)

Übrigens: am heutigen Valentinstag laufen alle Jungs mit eingepackten Rosen durch die Gegend und erhoffen sich, diese einer jungen Dame schenken zu können. Manchen scheint es auch gelungen zu sein, da manche Mädels mit einer ausgepackten Rose durch die Stadt schlendern. Doch irgendwie habe ich heute trotzdem mehr Männer mit Rosen gesehen. Ein neuer Trend?

"Welcher Schlüssel ist jetzt für Schloß Nummer 2 an meiner Tür?"

Sonntag, Februar 12, 2006

Vienna, die Stadt der Dialekte

Meine zweite Wienfahrt steht an. Am Dienstag werde ich meinen Mietvertrag unterschreiben und bekomme alle Schlüssel für meine neue Wohnung. Am Mittwoch werde ich mich dann an der Uni für meinen Studiengang einschreiben und meine ÖBB-VORTEILScard beantragen.

(In der Leopoldstadt im 2. Bezirk werde ich wohnen: U-Bahn-Station Vorgartenstrasse)

Ab Donnerstag werde ich dann in Bamberg meine Kisten packen und meine Wohnung auf Vordermann bringen. Ende des Monats habe ich dann noch meine Wohnungsübergabe in Bamberg und danach bin ich dann ganz in Wien angekommen.

Vienna, ich komme mit großen Schritten! Sei darauf gefasst.

Samstag, Februar 11, 2006

(Sportliche) Siege und Niederlagen

Samstag offenbarte ein breites Spektrum an Höhen und Tiefen für deutsche Sportler. Ob Olympia, Daviscup oder Bundesliga: Sieg und Niederlage liegen nah beisammen.

Der heutige Tag begann mit zwei olympischen Goldmedaillen: Michael Greis gewinnt im 20 Kilometer Biathlonrennen (Schießen und Laufen) und Georg Hettich gewinnt die Nordische Kombination (Skispringen und Laufen). Sensationelle Leistungen mit Siegern, die nur wenige auf der Rechnung hatten.

Gegen 15 Uhr begann das Zittern bei allen Tennisfans, die den Daviscup Herren die Daumen drückten. Nach den beiden Einzelniederlagen von Nicolas Kiefer und Tommy Haas gegen gute Franzosen (Grosjean und Gasquet) sollte das heutige Doppel diese Erstrundenpartie bereits entscheiden. Tommy Haas und Alexander Waske waren bislang ungeschlagen, unterlagen aber dem französischen Doppel Clement/Llodra letztlich glatt in vier Sätzen.
Nach dem letztjährigen Wiederaufstieg in die Weltgruppe gegen Tschechien hatte Teamchef Patrick Kühnen (selbst dreimaliger Daviscupsieger mit Deutschland) die Order ausgegeben, dass man vollen Mutes ins Viertelfinale einziehen möchte. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft leider eine große Lücke. So wird es im September zu einem weiteren Relegationsspiel mit deutscher Beteiligung kommen. Viel Glück.

Der Samstag schreitete voran: es wurde Nachmittag. Die Bundesligapartie FC Schalke 04 gegen Bayer Leverkusen wurde Auf Schalke angepfiffen. Nach 90 Spielminuten stand ein historisches Ergebnis fest: Schalke gewinnt mit 7:4 gegen Leverkusen und feierte einen sensationellen Sieg. Nach 25 Minuten stand es bereits 3:0. Schalke feierte und kassierte noch vor der Pause zwei Gegentore. 3:2, alles wieder offen.
Nach der Pause legte Schalke nach und erzielte das 4:2 und 5:2. Die Gästemannschaft steckte auch diesen Nackenschlag weg und erkämpfte sich mit zwei weiteren Toren den Anschluß. Es stand nur noch 5:4, ein Tor würde Leverkusen zum Unentschieden langen. Doch ein herrlicher brasilianischer Freistoß und ein beherzter Alleingang eines deutschen Nationalspielers bescherten den Zuschauern ein geschichtsträchtiges Endergebnis.

Morgen geht es weiter mit olympischen Disziplinen, den letzten Einzeln im Daviscup (auch Österreich muss in die Relegation) und den letzten beiden Bundesligapartien. Dort sollte man dem 1.FC Nürnberg die Daumen drücken: ein Sieg im Derby gegen den FC Bayern München würde die Meisterschaft wieder spannend machen.

Das Zitat des Tages: "Ich kann es noch gar nicht glauben. Ich dachte, Olympiasieger gibt es nur im Fernsehen!"
Olympiasieger Georg Hettich nach seinem Triumph in der Nordischen Kombination

Freitag, Februar 10, 2006

Umzug um Umzug: von Bamberg nach Bamberg, von Bamberg nach Wien

Seit letzten Montag habe ich die Zusage für meine Wunschwohnung in Wien: der erste Besichtigungstermin war der Richtige und ich meldete mich am Montag kurz vor 11 Uhr bei dem Vermittler. Um 15 Uhr bekam ich dann das offizielle Okay vom Vermieter und kann am 14.2. meinen Mietvertrag unterschreiben.

So bald ich die ersten Fotos habe, werdet ihr einen Blick in mein neues Domizil werfen können. Eine perfekte Wohnung für mich, mein neues Studium und meine Zeit in Wien mit Mareike (die Wochenenden, denen ich entgegenfiebern kann).

Am 20. und 21.2. werde ich dann mit Stephans Unterstützung meine Wohnung in Bamberg auflösen und alles nach Wien schaffen. Welche Strapazen da auf mich zukommen, durfte ich heute schon einmal im Kleinen antesten: in den letzten beiden Tagen packte ich Mareikes Sachen zusammen und verstaute sie heute mit Balu in dessen Kellerabteil. Nach fünf Stunden am heutigen Freitag war alles verstaut, das Licht ging aus und die Möbel werden dieses Gemäuer bis Ende April nicht mehr verlassen.

Keine Müdigkeit vortäuschen. Der nächste Umzug wartet schon.

Donnerstag, Februar 09, 2006

Gelbe Monty Pythons

Zuhause in Neuhof hatte ich ein riesiges Kinderzimmer: das komplette ausgebaute Dach war meine kleine Festung. So konnte ich immer meine Lego-Stadt aufgebaut lassen und ergänzen. Ob Robin Hood und das Mittelalter oder das 21. Jahrhundert: ich hatte viele Legosteine zum Verbauen.

Was man mit Lego noch so alles machen kann, wenn man eine Kamera und einige gute Ideen hat, zeigt euch dieses Video. Viel Spaß bei einer neuen Interpretation von Monty Python.

Das Video braucht etwas Zeit zum Laden (etwa 10 Minuten). Allerdings lohnt sich diese Pause auch.

Lego beflügelt deine Fantasie.

Sonntag, Februar 05, 2006

Wohnungsbesichtigung in Wien

Am 31.1. landete ich in Frankfurt und wurde von meiner Mutter und meiner Tante abgeholt. Ab nach Neuhof. Doch langes Ausruhen war nicht drin:
am 1.3. sollte schon mein neues Studium in Wien beginnen. Ich suchte abends im Internet nach Wohnung und telefonierte am nächsten Morgen mit den Vermietern. Und am Freitag, den 3.3., war ich schon auf dem Weg nach Wien.

Die erste Wohnung liegt im 2. Bezirk, der als "grüne Lunge Wiens" bezeichnet wird. 46 qm2 Altbauwohnung für 446 Euro, ein kleines Schlafzimmer, ein großes Zimmer, frisch renoviert, mit Küche und Bad. Eine optimale Anbindung an das U-Bahnnetz ist auch noch vorhanden!
Die zweite Wohnung liegt im 4./5. Bezirk, in schönen Bezirken der Stadt. Das Ambiente ist schön. Doch die Wohnung selber sah nicht wirklich gut aus: renovierungsbedürftig, mit seltsamen Gebilden an der Decke, ohne Küche und mit üblen Bad. Schade, da der Preis für die Wohnung (50 qm2) passabel war.
Die dritte Wohnung liegt im 8. Bezirk mit vielen kleinen Cafés und ist ebenso wie die erste Wohnung frisch renoviert. Eine ehemalige Psychiaterpraxis mit weißen Polstern an den Türen. Dazu eine riesige Küche mit schwarz-weißen Bodenfließen und komischen Zwischenböden unter der Decke.

Um 8 Uhr fuhr ich in Bamberg los, um 13.30 Uhr kam ich in Wien an. Um 21.30 Uhr war meine Besichtigung beendet, um 3.15 Uhr war ich wieder in Bamberg. Was für eine Fahrt!

Vor dem ersten Besichtigungstermin konnte ich mir noch die Innenstadt (Kärtnerstraße, Stephansplatz) und meine Hauptuni ansehen. Richtig schön und mit der Wiener U-Bahn schnell erreichbar.

Optimale Bedingungen. Man muss nur was draus machen.

Samstag, Februar 04, 2006

Suedamerika Teil 14: Goodbye South America

Die Tage in Arica luden unseren Akku noch einmal fuer unsere letzte Reiseetappe auf. Ueber Arequipa ging es dann nach Lima, meinem Abflugsort. Doch schon in Arica (Chile) ueber die Grenze nach Tacna (Peru) zu kommen, wurde ein heikles Unterfangen.

Bucht man in Arica ein Ticket nach Arequipa, zahlt man stolze 22 Dollar fuer die Busfahrt. pro Person! Ein happiger Preis, da man normalerweise 1 Dollar pro Reisestunde zahlt. Dies waeren etwa 8 Dollar fuer die Strecke Arica-Arequipa. Wir entschieden uns fuer die Alternative: mit einem colectivo von Arica nach Tacna, dann auf peruanischem Gebiet ein billigeres Ticket nach Arequipa ergattern.
Kaum am Busterminal angekommen, stuerzten schon mehrere Fahrer auf uns zu und boten uns ihre Fahrkuenste an. Schliesslich fuhren wir mit einem Fahrer, der nur als "loco" bezeichnet wurde. Ein guter Start. Wir warteten etwa 20 Minuten, bis alle Formalitaeten fuer den Grenzuebertritt erledigt waren, und fuhren los. Unser fahrbarer Untersatz war ein 82er Ford, den man aus amerikanischen Serien wie "Kojak" oder "Die Strassen von San Francisco" kennt.
An der Grenze mussten wir eine Stunde warten, ehe wir unsere Paesse zeigen und ausreisen durften. Die Chilen sind an den Grenzen sehr penibel, selbst wenn man einfach nur raus will.

Kaum in Tacna angekommen, erwischten wir einen Bus, in dem noch zwei Plaetze frei waren und der unmittelbar nach unserer Ankunft losfuhr. Mareike behielt die Ruhe und handelte den Preis professionell herunter. Zwar hatten wir die Plaetze neben der Toilette, aber wir hatten Geld gespart.

In Arequipa angekommen, entschieden wir uns fuer unser erstes Domizil - Casa de Jael. Der Vermieterin ging es nach einer Operation wieder besser und ihre Schwester erinnerte sich sogar an uns. Im Gaestebuch standen unsere Namen mit dem Datum versehen: 29.1.2005.

Mareike und ich genossen die beiden Tage in Arequipa und erledigten noch einige Einkaeufe. Ausserdem besuchten wir noch einmal Keri in ihrer Wohnung und holten Mareikes Koffer bei ihr ab. Am letzten Abend probierten wir dann beide in einem traditionell peruanischen Restaurante die Spezialitaet des Landes: cui - Meerschweinchen. Wir sahen, wie es zubereitet wurde: frisch aus dem Kuehlschrank kam das cui in die Pfanne. Dafuer mussten die vier Pfoten gebrochen werden, der Kiefer des Tieres wurde zur Seite gebogen und schon bruzelte das tote Tier im heissen Fett.
Besonders viel war an dem kleinen Kerl nicht dran, doch das wenige Fleisch schmeckte sehr gut. Besser als Huehnchen, welches in Peru schon besser schmeckt als bei uns (wegen dem Salzwasser und vielen Sonnenstunden). Die Vorspeise, ein typischer Kaesesalat mit Zwiebeln und Limettensauce, sollte vor allem mir noch zu schaffen machen...

...am 28.1. stiegen wir um 16 Uhr in den Bus nach Lima. Wir sollten 16 Stunden unterwegs sein und damit am 29.1. gegen 8 Uhr in der peruanischen Hauptstadt ankommen. An diesem Tag musste ich dann abends um 22.30 Uhr am Flughafen sein. Genuegend Zeit, wenn nichts mehr dazwischen kommt.
Die Busfahrt fing mit "King Kong" gut an, allerdings war es entsetzlich heiss in unseren Logenplaetzen. Das Fenster zu oeffnen verhinderte meinen Strip im Bus. Irgendwann konnte wir dann einschlafen und erwachten erst wieder gegen 3.30 Uhr. Unser Bus hielt mitten auf einer Strasse an. Nach etwa 30 Minuten und der Intervention der anderen Mitreisenden durften wir dann den Bus verlassen und sahen den Grund unseres unplanmaessigen Stopps: Motorschaden!
Ich dachte mir nur, dass wir noch genuegend Zeit haetten, um in das fuenf Stunden entfernte Lima zu gelangen. Nach weiteren 30 Minuten kam ein zweiter Bus unserer Busgesellschaft vorbei und hielt an. Es war Zufall, dass an diesem Abend die Strecke doppelt befahren wurde und dass in diesem Bus noch zwanzig Plaetze frei waren. Nach vielen Diskussionen und Mareikes Organisationsgeschick kamen wir an Bord. Sie durfte oben sitzen, ich konnte neben dem Fahrer Platz nehmen. Waehrend dieser in Ruhe rauchte, eine Cola trank, ein Fruehstueck von seinem Tablett verputzte und - nebenbei - auch noch Bus fuhr, versuchte ich zu schlafen. Meine aufkommende Uebelkeit und mein starker Drang, auf die Toilette zu muessen, verdarben mir den Luxus von Schlaf.
Kurz vor der Ankunft in Lima musste ich dann doch das Urinal bemuehen und leerte meinen Magen gaenzlich, was die Stewardess nicht begruesste. Doch endlich waren wir da. Die unendlich anmutenden Fahrt war ueberstanden und es konnte nur besser werden.

Falsch gedacht! Kaum im Hotelzimmer angekommen, kam ich eine Stunde lang nicht mehr vom Klo und konnte den ganzen Tag ueber keine Fluessigkeit aufnehmen.

Mareike und ich hatten uns unseren gemeinsamen letzten Tag in Suedamerika anders vorgestellt. Wir machten das Beste daraus, schlenderten noch zur Meerpromenade und verschliefen den Rest des Tages.

Um 22.00 Uhr waren wir am Flughafen, um 00.15 Uhr hatte ich eingecheckt und um 1.15 Uhr ging mein Flieger. Mir ging es immer noch nicht besser, doch der Abschied von Mareike ueberwog natuerlich. Wir verabschiedeten uns kurz vor meiner offiziellen Ausreise aus Suedamerika und puenktlich hob der Flieger ab. Naechster Stopp: Atlanta, Georgia.
In Atlanta hatte ich vier Stunden Aufenthalt, danach ging es nach New York City auf den JFK Airport. Nach weiteren sieben Stunden Wartezeit hob der Flieger nach Frankfurt um 22.00 Uhr ab.
Am naechsten Morgen wartete bereits mein Empfangskomitee auf mich und mein Magen beruhigte sich mit einem entspannenden Kamillentee. Ich war wieder in Frankfurt, sechs Wochen spaeter, in einem neuen Jahr.

Diese Reise war gespickt mit vielen unvergesslichen Erlebnissen, die ihr zum Teil hier nachlesen konntet. Mareike und ich haben unglaubliche Landschaften gesehen, die bleibende Eindruecke hinterlassen werden. Wir haben nette Menschen kennengelernt, sowohl Reisende als auch Einheimische. Wir haben wieder etwas mehr von der Welt gesehen und gelernt, wie manche Uhren in Suedamerika ticken.

Man kann Peru und vor allem Bolivien nur wuenschen, dass sie aus ihrem Land in Zukunft mehr machen. In Bolivien koennte mit dem neu gewaehlten Praesidenten der Weg frei sein fuer eine Regierungszeit ohne Korruption und mit eigenstaendigen Entscheidungen. Doch gerade in Bolivien sollte man sich eines vor Augen halten: in den letzten 50 Jahren hatte dieses Land 40 verschiedene Regierung und Praesidenten. Wuenschen wir Evo etwas mehr Zeit fuer seine Visionen.

Goodbye South America. See you soon for the second time.

Suedamerika Teil 13: Badesaison in Arica

Einfach baden gehen.

Suedamerika Teil 12: Die letzten Tage in Bolivien

In La Paz bereiteten sich alle bereits auf das Highlight des Fruehjahrs vor: die Amtseinfuehrung des neuen Praesidenten, Evo Morales. Morales ist der erste indigene Präsident Suedamerikas. Vor allem die Indigenas verbinden mit seinem Amtsantritt ihre Hoffnungen auf eine bessere Zukunft.

Wir kamen morgens in La Paz und wurden von Jasmin und Christian aus der Schweiz begleitet. Wir uebernachteten in einem neuen Hotel, welches erst vor zwei Wochen eroeffnet wurde. Wir wollten umbedingt noch zwei Touren von La Paz aus machen.

Nach Tiwanaku fuhren wir etwa 90 Minuten mit einem colectivo und mussten dann noch etwa 15 Minuten zu einem abgesperrten Areal laufen. Der Eintritt war verdammt hoch und letztendlich ueberteuert, auch wenn man damit sowohl in die Anlagen von Tiwanaku, das Museum und ein weiteres Areal durfte. Was dem Auge geboten wurde, war allerdings sehr duerftig. Mareike und ich nahmen es mit Humor und suchten auf der Karte unseres Reisefuehrers die verschiedenen "Sehenswuerdigkeiten". Diese waren so klein, dass man sie fast uebersehen konnte. Die Enttaeuschung des Urlaubs!

Einen Tag spaeter buchten wir eine Tour in das Valle de Luna und auf den Chakaltaya-Gletscher. Mit an Bord waren unsere beiden Schweizer, eine weitere Deutsche und drei Brasilianer. Unser Guide Fred erklaerte uns alles bilingual, auf spanisch und englisch. Fred war ein Entertainer, der zwischendurch mit der Deutschen flirtete ("Are you married?") und uns in einem unverwechselbaren Englisch die verschiedenen Felsformationen im Mondtal erklaerte. Die Brasilianer schienen erst recht abwesend und sprechen immer miteinandern, selbst wenn Fred etwas erklaeren wollte.
Highlight dieser Tour war der Chakaltaya mit dem höchstgelegenen Skiressort der Welt. Wir ueberquerten zum zweiten Mal die 5.000 Meter. Mit dem Bus kamen wir auf 5.300 Metern an und sahen uns die Liftstation samt Café an. Danach hatten wir zwei Stunden Freizeit und erklommen den kleinen Anstieg zur Liftstation Nummer zwei. Wir merkten alle die Hoehe und unterschaetzten die Sonne, was sich spaeter in unserem Gesicht bemerkbar machte.
Auf knappen 5.400 Metern konnte wir dann auf den kleinen Abfahrten zwischen den herausragenden Felsen Skianfaenger beim Pflugfahren beobachten. Kalt war uns nicht, nur der einsetztende Schneefall beeintraechtigte unseren Abstieg zum heissen Kakao im Café.

Nachmittags kamen wir wieder in La Paz an und mussten uns auf leichten Nieselregen und erbitterte Kaelte einstellen. So gingen wir auch abends mit doppelte Montur ins Bett, um nicht gaenzlich zu verkuehlen.

Am Tage unserer Abreise nach Chile fand die Amtseinfuehrung von Evo Morales statt. Unsere beiden Schweizer blieben noch und haben uns dann spaeter von dem Event erzaehlt. Wirklich verpasst haben wir zwar nichts, doch wir verliessen La Paz - damit auch Bolivien - mit Wehmut: wunderbare drei Wochen lagen hinter uns in einem beeindruckenden Land mit vielen Moeglichkeiten, die nur von der Bevoelkerung ausgenutzt werden muessen; und eben nicht von den westlichen Staaten.

Goodbye Bolivia, Hello Chile.