Donnerstag, Februar 16, 2006

Orange ist die Farbe des Sommers

Der Wecker klingelte um 8.30 Uhr. Der Weg war schon vorgezeichnet: mit der U1 zum Schwedenplatz, dann mit der U4 Richtung Spittelau und ab in die U2 zur Universität. Ich wollte mich endlich an der Uni Wien einschreiben.

Im Hauptgebäude wurde die Immatrikulation in die Abteilungen "österreichisches Reifezeugnis" und "nicht-europäisches Reifezeugnis" unterteilt. Ich stand nun mehr in einer Reihe mit Menschen, die ich nicht verstehen konnte. Neben türkisch, kroatisch oder russisch hörte ich zweimal auch eine deutsche Stimme heraus.
Nach einer Stunde Wartezeit durfte ich dann eintreten und wurde von dem jungen Mann auf einen Stuhl beordert. Mein Vorwarter musste noch die letzten Details für seinen noch in der Türkei wartetenden Bruder abklären und wurde freundlich, aber bestimmt auf die nächste Woche verwiesen.
Meine Immatrikulation verlief schnell und unkompliziert. Ich legte den Studienbeleg vor, durfte meinen Studentenausweis ausfüllen und schob meine EC-Karte in den dafür vorgesehenen Schlitz. Wutsch, da waren 375 € futsch und wurden von meinem Konto abgebucht. Nachdem ich meine Semestergebühren bezahlt hatte, bekam ich meine Studienbelege und durfte mich erfolgreich "Student der Uni Wien" nennen.

(Passt das kleine Schwarze zu meinem neuen Studentenausweis?)

Anschliessend konnte ich dann mit meinem Beleg mein Semesterticket lösen und freue mich schon auf meine endlosen Fahrten mit dem Bus, der S-Bahn und der U-Bahn, um den monatlichen Preis von 30 € wieder reinzufahren. Aber ohne das Ticket ist man in Wien als Student entweder nach vier Monaten bettelarm oder hat den Dukatenesel bei sich im Keller stehen.
Dort nächtigen bei mir schon vier osteuropäische Kleinfamilien, die mir meine Wohnung samt Miete erst ermöglichen. Im Sechs-Stunden-Takt werden die Stockbetten gewechselt. Mehr Schlaf braucht der Mensch nicht; und überhaupt wird Schlaf sowieso überschätzt. Ich strebe eine ökonomisch sinnvolle Auslastung meines noch ungenutzten Platzes an.

Einen weiteren Vorteil haben diese Untermieter für mich: ich muss mir keine Sorgen machen, dass bei mir eingebrochen wird. Seit der EU-Osterweiterung sind die Einbruchsdelikte in Wien immens angestiegen und jedem wird eine gesonderte Haushaltsversicherung empfohlen. Aber ich habe ja meinen Wachschutz im Keller sitzen.

Suche Untermieter, biete Kellerabteil.

Sollten sich Personengruppen durch meine Beschreibung angesprochen und sich gekränkt fühlen, bitte ich meinen Bericht zu entschuldigen. Humoristische Freiheit, ob gut oder schlecht, sollte Grenzen nicht überschreiten. Die Auswirkungen solcher Grenzüberschreitung sind leider seit wenigen Wochen weltbekannt.