Suedamerika Teil 14: Goodbye South America
Die Tage in Arica luden unseren Akku noch einmal fuer unsere letzte Reiseetappe auf. Ueber Arequipa ging es dann nach Lima, meinem Abflugsort. Doch schon in Arica (Chile) ueber die Grenze nach Tacna (Peru) zu kommen, wurde ein heikles Unterfangen.
Bucht man in Arica ein Ticket nach Arequipa, zahlt man stolze 22 Dollar fuer die Busfahrt. pro Person! Ein happiger Preis, da man normalerweise 1 Dollar pro Reisestunde zahlt. Dies waeren etwa 8 Dollar fuer die Strecke Arica-Arequipa. Wir entschieden uns fuer die Alternative: mit einem colectivo von Arica nach Tacna, dann auf peruanischem Gebiet ein billigeres Ticket nach Arequipa ergattern.
Kaum am Busterminal angekommen, stuerzten schon mehrere Fahrer auf uns zu und boten uns ihre Fahrkuenste an. Schliesslich fuhren wir mit einem Fahrer, der nur als "loco" bezeichnet wurde. Ein guter Start. Wir warteten etwa 20 Minuten, bis alle Formalitaeten fuer den Grenzuebertritt erledigt waren, und fuhren los. Unser fahrbarer Untersatz war ein 82er Ford, den man aus amerikanischen Serien wie "Kojak" oder "Die Strassen von San Francisco" kennt.
An der Grenze mussten wir eine Stunde warten, ehe wir unsere Paesse zeigen und ausreisen durften. Die Chilen sind an den Grenzen sehr penibel, selbst wenn man einfach nur raus will.
Kaum in Tacna angekommen, erwischten wir einen Bus, in dem noch zwei Plaetze frei waren und der unmittelbar nach unserer Ankunft losfuhr. Mareike behielt die Ruhe und handelte den Preis professionell herunter. Zwar hatten wir die Plaetze neben der Toilette, aber wir hatten Geld gespart.
In Arequipa angekommen, entschieden wir uns fuer unser erstes Domizil - Casa de Jael. Der Vermieterin ging es nach einer Operation wieder besser und ihre Schwester erinnerte sich sogar an uns. Im Gaestebuch standen unsere Namen mit dem Datum versehen: 29.1.2005.
Mareike und ich genossen die beiden Tage in Arequipa und erledigten noch einige Einkaeufe. Ausserdem besuchten wir noch einmal Keri in ihrer Wohnung und holten Mareikes Koffer bei ihr ab. Am letzten Abend probierten wir dann beide in einem traditionell peruanischen Restaurante die Spezialitaet des Landes: cui - Meerschweinchen. Wir sahen, wie es zubereitet wurde: frisch aus dem Kuehlschrank kam das cui in die Pfanne. Dafuer mussten die vier Pfoten gebrochen werden, der Kiefer des Tieres wurde zur Seite gebogen und schon bruzelte das tote Tier im heissen Fett.
Besonders viel war an dem kleinen Kerl nicht dran, doch das wenige Fleisch schmeckte sehr gut. Besser als Huehnchen, welches in Peru schon besser schmeckt als bei uns (wegen dem Salzwasser und vielen Sonnenstunden). Die Vorspeise, ein typischer Kaesesalat mit Zwiebeln und Limettensauce, sollte vor allem mir noch zu schaffen machen...
...am 28.1. stiegen wir um 16 Uhr in den Bus nach Lima. Wir sollten 16 Stunden unterwegs sein und damit am 29.1. gegen 8 Uhr in der peruanischen Hauptstadt ankommen. An diesem Tag musste ich dann abends um 22.30 Uhr am Flughafen sein. Genuegend Zeit, wenn nichts mehr dazwischen kommt.
Die Busfahrt fing mit "King Kong" gut an, allerdings war es entsetzlich heiss in unseren Logenplaetzen. Das Fenster zu oeffnen verhinderte meinen Strip im Bus. Irgendwann konnte wir dann einschlafen und erwachten erst wieder gegen 3.30 Uhr. Unser Bus hielt mitten auf einer Strasse an. Nach etwa 30 Minuten und der Intervention der anderen Mitreisenden durften wir dann den Bus verlassen und sahen den Grund unseres unplanmaessigen Stopps: Motorschaden!
Ich dachte mir nur, dass wir noch genuegend Zeit haetten, um in das fuenf Stunden entfernte Lima zu gelangen. Nach weiteren 30 Minuten kam ein zweiter Bus unserer Busgesellschaft vorbei und hielt an. Es war Zufall, dass an diesem Abend die Strecke doppelt befahren wurde und dass in diesem Bus noch zwanzig Plaetze frei waren. Nach vielen Diskussionen und Mareikes Organisationsgeschick kamen wir an Bord. Sie durfte oben sitzen, ich konnte neben dem Fahrer Platz nehmen. Waehrend dieser in Ruhe rauchte, eine Cola trank, ein Fruehstueck von seinem Tablett verputzte und - nebenbei - auch noch Bus fuhr, versuchte ich zu schlafen. Meine aufkommende Uebelkeit und mein starker Drang, auf die Toilette zu muessen, verdarben mir den Luxus von Schlaf.
Kurz vor der Ankunft in Lima musste ich dann doch das Urinal bemuehen und leerte meinen Magen gaenzlich, was die Stewardess nicht begruesste. Doch endlich waren wir da. Die unendlich anmutenden Fahrt war ueberstanden und es konnte nur besser werden.
Falsch gedacht! Kaum im Hotelzimmer angekommen, kam ich eine Stunde lang nicht mehr vom Klo und konnte den ganzen Tag ueber keine Fluessigkeit aufnehmen.
Mareike und ich hatten uns unseren gemeinsamen letzten Tag in Suedamerika anders vorgestellt. Wir machten das Beste daraus, schlenderten noch zur Meerpromenade und verschliefen den Rest des Tages.
Um 22.00 Uhr waren wir am Flughafen, um 00.15 Uhr hatte ich eingecheckt und um 1.15 Uhr ging mein Flieger. Mir ging es immer noch nicht besser, doch der Abschied von Mareike ueberwog natuerlich. Wir verabschiedeten uns kurz vor meiner offiziellen Ausreise aus Suedamerika und puenktlich hob der Flieger ab. Naechster Stopp: Atlanta, Georgia.
In Atlanta hatte ich vier Stunden Aufenthalt, danach ging es nach New York City auf den JFK Airport. Nach weiteren sieben Stunden Wartezeit hob der Flieger nach Frankfurt um 22.00 Uhr ab.
Am naechsten Morgen wartete bereits mein Empfangskomitee auf mich und mein Magen beruhigte sich mit einem entspannenden Kamillentee. Ich war wieder in Frankfurt, sechs Wochen spaeter, in einem neuen Jahr.
Diese Reise war gespickt mit vielen unvergesslichen Erlebnissen, die ihr zum Teil hier nachlesen konntet. Mareike und ich haben unglaubliche Landschaften gesehen, die bleibende Eindruecke hinterlassen werden. Wir haben nette Menschen kennengelernt, sowohl Reisende als auch Einheimische. Wir haben wieder etwas mehr von der Welt gesehen und gelernt, wie manche Uhren in Suedamerika ticken.
Man kann Peru und vor allem Bolivien nur wuenschen, dass sie aus ihrem Land in Zukunft mehr machen. In Bolivien koennte mit dem neu gewaehlten Praesidenten der Weg frei sein fuer eine Regierungszeit ohne Korruption und mit eigenstaendigen Entscheidungen. Doch gerade in Bolivien sollte man sich eines vor Augen halten: in den letzten 50 Jahren hatte dieses Land 40 verschiedene Regierung und Praesidenten. Wuenschen wir Evo etwas mehr Zeit fuer seine Visionen.
Goodbye South America. See you soon for the second time.


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