Donnerstag, Mai 25, 2006

Aktuelle Filmbesprechungen

Lord of War

Ein bitterböser, zynischer, schwarzer und ehrlicher Film über die Waffengeschäfte auf dieser Welt. Nicolas Cage spielt den Waffenhändler Yuri Orlov so stark und wirkt zusätztlich durch seine Stimme aus dem Off so präsent wie selten zuvor in einem Film.

Lord of War gilt als einer der Film eines "New Hollywood", die sich mehr denn je kritisch mit aktuellen Themen der Welt und der Mitverantwortung der USA auseinandersetzt.

(Kurz vor einem Massaker verkauft Orlov Waffen an den Warlord in Mosambik)
Quelle: amnestyusa.com


Darüber hinaus brillieren in diesem Film Jared Letho als Orlovs Bruder, der im falschen Moment genau das Richtige unternimmt, und Ethan Hawke als FBI-Agent, der erkennen muß, wie tief seine Vorgesetzten in die Geschäfte verwickelt sind.

Das Ende ist ehrlich und kommt ohne eine Versöhnung aus: die Welt ist erbarmungslos und die westlichen Staaten bereichern sich am Tod in Afrika. Punkt.


16 Blocks

Böse Zungen behaupten, dass der Film nur aus einem Grund sehenswert sei: Bruce Willis war noch nie so dick und häßlich wie in 16 Blocks. Man wird dem Film dadurch nicht gerecht, aber viel mehr bietet er dem geneigten Zuseher auch nicht.

Die Story ist schnell erzählt: ein Cop (Bruce Willis) muss einen Gefangenen (Mos Def) zu einer Gerichtsverhandlung bringen. Das Justizgebäude ist nur 16 Blocks entfernt. Auf dem Weg kommt es zu zahlreichen Komplikationen.

(Bruce Willis und Mos Def flüchten auf dem Weg ins Justizgebäude)
Quelle: joblo.com


Mos Def, der seine Schauspielerqualitäten in "The Italien Job" und "The Woodsman" unter Beweis gestellt hat, darf in diesem Film reden, reden und nochmals reden. Er quasselt seinem Gegenüber das Ohr ab.

Das Ende ist (leider) hollywoodlike: (fast) alles wird gut und jeder fühlt sich besser.


The Da Vinci Code - Sakrileg

Das drittbeste Startergebnis der Filmgeschichte! Damit setzte Dan Browns Literaturerfilmung unter der Regie von Ron Howard eine Duftmarke. Mehr als ein unterhaltsamer Film kommt dabei allerdings nicht heraus.

Was nicht weiter schlimm ist, wenn man das Buch nicht gelesen hat. Die 152 Minuten kamen mir stimmig und durchaus flüssig erzählt vor. Längen kamen nur selten auf.

(Hanks und Tatou kommen sich näher. Mehr als ein Kuss auf die Stirn wird ihnen nicht erlaubt)
Quelle: cbsnews.com


Ian McKellen als Sir Leigh Teabing ist ein absoluter Gewinn für den Film und spielt heraussragend gut. Tom Hanks hingegen wirkt steif und schafft es, den gesamten Film mit einem Gesichtsausdruck auszukommen. Ein Kunststück, welches vorher womöglich nur Sylvester Stallone in dieser Präzision gelungen ist. Zu guter Letzte die holde Maid der Geschichte: die bezaubernde Audrey Tatou, die robust zuschlägt und in den wichtigen Momenten doch noch erweicht.

Das sie nicht sonderlich von der Erkenntnis des Films geschockt ist, macht den Film und ihre Darstellung wiederum unglaubwürdig bis in den hintersten Winkel der Filmgeschichte.

Ein Film, basierende auf einem Buch: viele Regisseure scheiterten daran. Das diese Kombination immer erfolgsversprechender wird, konnte man bereits an der absolvieten "Herr der Ringe"-Triologie und der anlaufenden "Wächter der Nacht"-Triologie erkennen.

Auch wir können uns schon auf den zweiten Teil aus Dan Browns Schatzkiste freuen: "Illuminati", der erste Roman von Brown und sein angeblich bester soll als nächstes verfilmt werden. Mit Tom Hanks. Hoffen wir auf das Beste.

Kaufempfehlung: Lord of War auf DVD.

Dienstag, Mai 23, 2006

Radiosymposium zu Ehren des Pioniers Franz Hiesel

Sollte sich jemand bei der Überschrift schon fragen, ob er eine immense Wissenslücke besitzt, da er Franz Hiesel nicht kennt, so kann ich jedem entgegnen, dass selbst erfahrene Radiomacher nicht immer Hiesels Namen parat haben.

Franz Hiesel (1921-1996) war Schriftsteller und Rundfunkdramaturg des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und leitete von 1976 bis 1986 die Literaturabteilung des Österreichischen Rundfunks (ORF). Anläßlich seines 85. Geburtstages wurde im Wiener Rathaus eine Hörspieltagung zu seinen Ehren durchgeführt.

Unter den RednerInnen fand man unter anderem die Mitorganisatorin Hilde Haider-Pregler, die am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Uni Wien lehrt und eine Einführung in Hiesels Schaffen bot.

Das Wiener Original Hubert Pfoch, Vizebürgermeister von Wien a.D., stellte in seiner Rede eher sich und den ominösen "Dr. Müller" in den Mittelpunkt und verwies nur an einigen Stellen auf die Freundschaft zu Hiesel. Dafür war sein Vortrag sehr amüsant, vor allem sein Spiel mit dem einzigen Fotografen im Raum.

Sehr informativ und humorvoll gestaltet Peter Gugisch seinen Vortrag. Gugisch war ehemaliger Leiter der Hauptabteilung Funkdramatik beim Rundfunk der DDR in Berlin und war mit Hiesel justament am Tag der Maueröffnung in Berlin in einem Café. Seine Anekdoten machten es möglich, dass der Zuhörer ein persönlicheres Bild von Hiesel bekamen.

Der letzte Vortrag vor der Mittagspause war zugleich mein letzter des Tages. Christine Ehardt aus Wien stellte vier Hörspiele von Hiesel unter der Thematik "Gehen/Bewegung" vor. Zum ersten Mal konnte man sich auch hörbar von Hiesels Qualitäten einen Eindruck verschaffen. Ein gelungener Abschluß vor dem Essen.

Danach begann für mich wieder der Unialltag. Ein vollgepackter Tag, der um 7.30 Uhr begann und irgendwann entnervt am Abend endete. Das Radiosymposium war eine gute Gelegenheit, tiefer in die Materie "Radio" einzutauchen und etwas über einen Menschen zu erfahren, der mir gänzlich unbekannt war, der aber für die Entwicklung des Hörspiels vieles beigetragen hat.

"Ich und Dr. Müller! Ach ja, und Franz Hiesel."

Montag, Mai 22, 2006

Ein Umzug par excelence

Mareikes Umzug nach Wien lief wie am Schnürchen. Auf die Umstände der Anmietung gehe ich hier nicht mehr ein, da die Geschichte bereits hinlänglich bekannt ist.

Samstags begann das Unternehmen "Mareike zieht endgültig nach Wien um" pünktlich um 8 Uhr. Der Sprinter lief rund und Mareike konnte auf der Autobahn gen Bamberg ihre anfängliche Skepsis gegenüber dem Transporter ablegen.

(Wie im Schlaf: Mareike und "ihr" Sprinter)

Sonnenschein, während wir in Österreich unterwegs waren. Regen, als wir in Bamberg eintrafen. Unserem nicht vorhandenen Zeitplan waren wir Stunden voraus, so dass wir uns bei jedem unsere Möbeluntersteller Zeit nahmen und Kaffee und Kuchen kredenzt bekamen. Bei allen? Nein, nur bei einer nicht. Doch auch hier ist hinlänglich geredet worden.

(Nur die halbe Miete: zum Schluß füllte sich der Transporter bis nach vorne)

Balu und Victoria erleichterten uns den Umzug ungemein, so dass wir zum abendlichen "Snack" im Pelikan erholt und beruhigt einkehren konnten. Mit dabei waren Lena, Yenping (seit Neuestem nur noch unter "Ping" bekannt), Matthias, Katharina, Balu, Babsi und ihr Mitbewohner, der uns noch einen Bären namens "Hangkühe" aufbinden wollte.

(Die Toreinfahrt in Wien war schmaler als gedacht)

Das schlechte Wetter am Abend (ein Holzast krachte auf unseren Transporter) verzog sich bis zum Sonntag. Wir brunchten noch mit Balu im "Rincon" und holten um 12 Uhr unseren Mitfahrer am Bahnhof ab. Wie der Zufall so wollte, stammte unser Mitfahrer aus Peru und arbeitet seit mehreren Jahren als Verkäufer auf Festivals. Die Rückfahrt verging nahezu wie im Fluge, da die Straßen am Sonntag nur von holländischen Campingwagen und nicht noch zusätzlich durch LKWs benutzt wurden.

(Das Geld mussten wir trotzdem zahlen: 351 € für 2 Tage)

Dem Lift sei Dank konnten wir dann in Wien Mareikes Sachen sehr schnell in den 4. Stock bringen. Tatkräftige Unterstützung hatten wir durch Lisinka, Mareikes neue Mitbewohnerin. Ratzfatz konnten wir den Umzug um 20 Uhr für beendet erklären!

(Alles oben? Erst beim Aufbauchen bemerkten wir die fehlenden Teile)

Nur einen Wehrmutstropfen muss Mareike verkraften: ihre Bettstützen fehlen. Uns ist zwar immer noch schleierhaft, wie vier massive Stützen mit dreieckigen Platten abhanden kommen können. Doch genauso wenig wie die rote Einkaufstasche, die aus Mareikes Händen entschwunden ist, tauchen auch diese vier Stützen einfach nicht mehr aus.


Wanted
Bettstützen, im Vierergespann, massiv und gefährlich
Dead or alive

Samstag, Mai 20, 2006

Schillers 'Don Carlos' im Burgtheater zu Wien

Ein langes Stück von Friedrich Schiller erwartete uns an diesem Abend: "Don Carlos, Infangt von Spanien" unter der Regie von Andrea Breth.

Darum geht es: "Es beginnt mit einer Bespitzelung. Der Beichtvater des Königs horcht den Prinzen aus. Der hält sich von der höfischen Gesellschaft fern, und das macht ihn verdächtig. Keiner traut keinem. Abhängig von der Macht fürchten die Chargen um ihre Position, um ihren Einfluß. Die Intrige wird zum Herrschaftsinstrument. Nur einer scheint sich dem System zu entziehen. Seine Offenheit besticht den König, er macht ihn zu seinem Vertrauten. Doch auch er berauscht sich an der Macht, glaubt durch sie seine Ideale verwirklichen zu können - und greift zur Intrige. Er weiht seinen Freund, den Prinzen, in seine Pläne nicht ein und bringt ihn in tödliche Gefahr."

Das Stück dauert 3.45 Stunden und umfasst eine 15-minütige Pause. Nicht allzu viel Erholung für den geschundenen Hintern und die eingedrückten Knie, die sich auf den schmalen Sitzen und den engen Reihen zurecht finden müssen.

So schön das Burgtheater auch ist, seine vordersten Reihen (wir sassen in Reihe 5) sind nicht die Bequemsten auf der Welt. Wer Kunst sehen will, muss man manchmal leiden. Wobei dies wohl eher auf Christoph Schlingensief zutrifft als auf den "Don Carlos".

(Szenenbild aus Don Carlos: zwei Doggen und die sich noch entbloßende Christiane von Poelnitz)
Quelle: burgtheater.at

Kurz: gut gespielt, in manchen Rollen nicht treffend besetzt, dazu ein in die Moderne adaptiertes Stück, welches durch die Sprache noch die Beziehung zu Schiller herstellt.

Kann man sehen, muss man aber nicht. Das dachten sich auch einige Besucher, die das Stück nach knappen 2 Stunden nach der Pause verliessen und nicht mehr auf ihre Sitze zurückkehrten.

Absolutes Highlight waren die vier Doggen auf der Bühne! Daneben agierten Christiane von Poelnitz, Philipp Hauß (bekannt aus "Die Ziege oder Wer ist Sylvia") und Nicholas Ofczarek wirklich gut und ihren Rollen angemessen.

"Bringt mir die Infantin!"

Dienstag, Mai 16, 2006

Professor M. mit der Tchibo-Tüte

Traum

Der Wecker klingelt um 6.30 Uhr. Unerbittlich. Ich schleppe mich mühsam unter die Dusche und öffne meine Augen unter dem warmen Wasser. Der Toast duftet bereits und ich kann den ersten Bissen des Tages an meinem Couchtisch genießen.
Um 7.15 Uhr schließe ich meine Tür ab und fahre mit der U-Bahn Richtung Uni. Keine Verspätung und auf alle Anschlußzüge warte ich nur 1 Minute. Die kostenlose "Heute" informiert mich über das Wichtigste des vergangenen Tages.
Knapp 15 Minuten vor Seminarbeginn kann ich mir den Platz im H50 noch aussuchen und warte auf die Anderen. Wie immer beginnt unser Dozent pünktlichst um 8 Uhr das Seminar und die Letzten drängen sich noch auf die verbleibenden freien Sitzbänke.
Die Sonnen scheint, als ich gut gelaunt nach der Vorlesung Richtung Stephansplatz laufe. Viele fröhliche Menschen kommen mir entgegen und erfreuen sich an diesem wunderbaren Tag - genauso wie ich.


Wirklichkeit

Ich schrecke nach oben und blicke auf meinen Wecker neben mir: 7.46 Uhr! "Oh Mann, ich Dösel!" Ich habe den Wecker wieder ausgestellt, als ich schlaftrunken um 6.30 Uhr geweckt wurde. Und ausserdem sollte ich doch extra für Marion mitschreiben. "Nix wie los!"
Um kurz vor 8 Uhr verlasse ich ungeduscht und mit zwei vertrockneten Toastscheiben zwischen den Zähnen das Haus. Die U-Bahn lässt mich nur eine Minute warten. Am Schwedenplatz dann die Ernüchterung: 4 Minuten Wartezeit auf die nächste Bahn. Steht in der "Heute" etwas Interessantes, um die Zeit zu überbrücken? Ausnahmsweise nicht.
Mit etwas Glück erwische ich am Schottenring meine U2 und bin um 8.20 Uhr vor dem Unigebäude. Der Sprint in den dritten Stock in den H50 gelingt mir mit "Leichtigkeit": ausgepumpt erreiche ich den offenen Hörsaal.
Moment! 8:20 Uhr? Und die Tür ist noch offen? Merkwürdig. Ich betrete den Raum, der nach Schweiß und morgentlicher Unreinheit duftet. Vollgepackt bis auf den letzten Platz ergattere ich mir einen letzten Stehplatz. Vom Dozenten weit und breit keine Spur. Nach wenigen Blicken erkenne ich Katharina und Bianca, die schon mit den Hufen scharren: sie warten bereits seit über 30 Minuten auf den Seminarbeginn.
Nach einer kurzen Absprache verlassen wir wieder den H50 und ich begebe mich mit knurrendem Magen und verschlafenem Blick in Richtung 2. Bezirk.
Um diese Uhrzeit parken alle Autos wie wild auf dem eigentlich verkehrberuhigten Platz um den Steffl und die frühe Zeit scheint den Menschen nicht umbedingt ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern. Am Graben kommt mir dann noch Professor M. entgegen mit einer großen Tchibo-Tüte. Auch hier scheint die beste Laune sich erst am Ende des Tages einzustellen.
Mit letzter Kraft schleppe ich mich in die stickige U-Bahn gen Vorgartenstraße. Schulkinder lärmen in den engen Wagen und Mütter mit breiten Kinderwägen versperren die Türen. Endlich angekommen fasse ich den feuchten Türgriff an und steige aus der U-Bahn aus.
"Wenigstens ist das Wetter schön", denke ich mir und blicke in den wolkenverhangenen Himmel über Wien.

Always look on the bright site of life.

Montag, Mai 15, 2006

"Kann so etwas Sünde sein?"

BMW fertigte zur 24. Ausgabe der Mille Miglia in Italien ein Fahrzeug der Extraklasse an. Eine Augenweide und ein Hörgenuß par excelence. Einen ausführlichen bericht gibt es auf Spiegel.de, einen bildhaften Vorgeschmack schon jetzt an dieser Stelle.

(Quelle: Spiegel.de;
Klassik: Die lange Haube, die extra modellierten Kotflügel, die schmale BMW-Niere - die Designer holten sich Anregungen aus der Vergangenheit der Marke und transformierten sie in die Zukunft)

Modernes Design mit alten Anklängen und weichen Formen - spektakulär und unbeschreiblich.

Deutsches WM-Aufgebot

Mit diesen Spielern werden wir Weltmeister:

Tor:
Jens Lehmann (FC Arsenal), 12 Oliver Kahn (Bayern München), 23 Timo Hildebrand (VfB Stuttgart); auf Abruf: Robert Enke (Hannover 96)

Abwehr:
Arne Friedrich (Hertha BSC), Per Mertesacker (Ex-Hannover 96), Robert Huth (FC Chelsea London), Christoph Metzelder (Borussia Dortmund), Jens Nowotny (Ex-Bayer Leverkusen), Philipp Lahm (Bayern München), Marcell Jansen (Borussia Mönchengladbach); auf Abruf: Manuel Friedrich (Mainz 05), Patrick Owomoyela (SV Werder Bremen)

Mittelfeld:
Bastian Schweinsteiger (Bayern München), Bernd Schneider (Bayer Leverkusen), Torsten Frings (Werder Bremen), Sebastian Kehl (Borussia Dortmund), Tim Borowski (Werder Bremen), Michael Ballack (FC Chelsea London), Thomas Hitzlsperger (VfB Stuttgart); auf Abruf: Fabian Ernst (FC Schalke 04), Paul Freier (Bayer Leverkusen)

Sturm:
Miroslav Klose (Werder Bremen, aktueller Torschützenkönig Deutschlands), Lukas Podolski (Ex- 1. FC Köln / Bayern München), Gerald Asamoah (FC Schalke 04), Oliver Neuville (Borussia Mönchengladbach), Mike Hanke (VfL Wolfsburg), David Odonkor (Borussia Dortmund); auf Abruf: Kevin Kuranyi (FC Schalke 04)

Jürgen Klinsmann ist für Überraschungen gut. Ansonsten hätte er wohl kaum David Odonkor für die WM gemeldet und den formschwachen Kuranyi zu Hause gelassen. Eine richtige Entscheidung.

Für die Abwehr kann Jens Nowotny eine stabilisierende Rolle spielen und den jungen Verteidigern um Robert Huth und Per Mertesacker helfen, sich um Ronaldinho und Co. zu kümmern.

Dazu haben wir noch mit Jens Lehmann den zur Zeit besten deutschen Keeper und Rekordhalter in der Champions League (über 900 Minuten ohne Gegentor) im Tor.

Und mit Miroslav Klose und Lukas Podolski, unseren beiden deutsch-polnischen Sturmhoffnungen, schiessen wir uns bis ins WM-Finale.

Revanche für 2002. Brasilien wird im Finale geschlagen und wir müssen den Sportfreunden Stiller recht geben: 54, 74, 90, 2006!

Sonntag, Mai 14, 2006

"We feed the World" - eine Dokumentation über unser täglich Essen

Bestandteil meines Seminares "Unerhörtes Radio - die Zukunft der Sinne" ist ein Besuch der österreichischen Dokumentation "We feed the World". Einziger Ort, an dem wir diesen Film sehen konnten, war das verratzte Kepler Kino im 10. Bezirk am Samstagabend.


Ein aufrüttelnder Film über Hybridmais in Rumänien, Sojaanbau in Brasilien mit eingeflogenem Bodenvernichter, einem Interview mit dem weltgrößten Lebensmittelproduzenten (Nestlé), dem Fischfang in Frankreich, den unglaublich großen Tomatenhäusern in Almeria und der Hühnerzüchtung in Österreich.

Seht euch den Film an und ihr werdet anders über Essen denken oder euch in eurer schon bestehenden Haltung zu Essen bestätigt fühlen.

Je günstiger das Essen, gesto künstlicher ist es. Schmecken wir heute noch überhaupt den wahren Geschmack von Tomaten oder Zwiebeln? Oder ist unsere "Angst" vor gentechnisch veränderten Gemüse nur ein Witz? Wie sieht Massentierhaltung überhaupt aus und wie entstehen über Chickenwings?

Mahlzeit! Auf das der Appetit vergeht.

Sonntag, Mai 07, 2006

Zentralfriedhof

Auf dem Besuchsprogramm vermerkte meine Mutter auch einen Besuch des größten europäischen Friedhofs: dem Wiener Zentralfriedhof. An einem leicht regnerischen Tag machten wir uns auf, auf dem 2,5 Millionen Quadratmeter großen Areal die Grabstätten bekannter Menschen zu suchen.

Die Österreicher scheinen großen Wert auf Prunk und Pomp zu legen, da selbst ihre Toten mit teils bombastischen Bauten geehrt werden. Eine kleine Statue hier, ein Engelchen auf der Linken, eine Säule dort, eine alte Laterne an der Seite zum Lichtspenden. An vieles ist gedacht.

Selbst an Mozart (siehe oben) wird gedacht, mit einem frisch begrünten Andenken. Wo der gute Mann wirklich liegt, ist weiterhin ein Geheimnis. Nur so viel ist sicher: seine Überreste sind auf diesem "kleinen" Areal versteckt.


Die Wiener und ihre Musiker: auch Strauss (oben) bekam einen Gedenkstein an seine Grabesstelle gesetzt. Zu Besucherzwecken sind übrigens alle sehr bekannten Persönlichkeiten (Strauss, Mozart, Beethoven,...) auf einem gemeinsamen Platz begraben.


Aber auch den Fliegerass des 1. und 2. Weltkriegs wurde gedacht: unter dieser Platte liegt Fliegerpilot von Brumowski (oben), der 40 feindliche Maschinen abschoss und somit sein Heldengrab redlich verdiente. Auch wenn man darüber streiten kann, ob es eine "Leistung" auf einem Grabstein stehen muss. Ich wünsche mir da etwas anderes.


Um dem offensichtlich morbiden Charme der Stadt und dem schlechten Wetter zu entkommen, entschlossen wir uns, in die Innenstadt zu fahren. Dort genehmigten wir uns im alteingesessenen Café Demel eine heiße Schokolade (die Beste, die ich jemals auf meiner Zunge schmeckte) und ein Stück Torte.


Da ein Wienbesuch nicht ohne Wiener Küche geschlossen werden darf, genossen wir an einem Würstelstand eine Spezialität der Würstelküche Wiens: neben Debreciner und Waldviertler gibt es auch die Eitrige (=Käsekrainer)!

Und zu guter Letzt natürlich noch der obligatorische Besuch beim Schnitzelwirt!

I hät' gern a 16er Blech und a Eitrige.

Samstag, Mai 06, 2006

Hundertwasser-Ausstellung im Kunsthaus Wien

Als Highlight des sonntäglichen Ausflugs durch Wien besuchten meine Mutter und ich das Kunsthaus Wien, welches eine aussergewöhnliche Ausstellung von Hundertwassergemälden ausstellt.


Hundertwasser wurde in Wien als einmaliger Künstler anerkannt und durfte nicht nur das Fernwärmewerk in Spittelau durch seine eigene Kunstrichtung verschönern.

Ferner wurde seinem Gedenken das Kunsthaus Wien erbaut, welches im ersten und zweiten Stock eine Aussschnit seines Schaffens präsentiert. Neben einer beeindruckend zu lesenden Übersicht seines Werdeganges werden auch die wichtigsten / schönsten Gemälde ausgestellt. Zu dem kann man auch seine Planungen einer Wohnhaussiedlung sehen und seine Gedanken über die Menschen in ihrem Umfeld der Natur nachlesen.

(Foto)

Hundertwasser ist einer der wenigen Künstler, die von einer Stadt so verehrt werden und Freiraum in ihren Konzepten bekommen. Das Hundertwasserhaus ist einer der Besuchermagneten in Wien, dass dazugehörige Kunsthaus bringt viel Grün und Farbe in den tristen 3. Bezirk.

Als "Belohnung" für das Interesse und den Eintritt von 9 € (für Studenten 7 €) erhält man einen Art Puzzleteil als Eintrittskarte: eine einmalige Eintrittskarte mit der typischen Kunst von Hundertwasser, als persönliches Erinnerungsstück an einen einmaligen Künstler.

Tipp: Solltet ihr euch für seine Kunst interessieren, dann googelt unter seinem Namen nach Bildern!


Immer wieder sonntags - strömen tausenden von Besuchern zu diesen Orten des Ungewöhnlichen.

Area 7 von Christoph Schlingensief im Burgtheater Wien

"Nie bist du ohne nebendir!"

Mit diesem Motto könnte man den Besuch des neuen Stückes von Christoph Schlingensief bezeichnen. Im altehrwürdigen Burgtheater zu Wien wurde sein Animatograph zum wiederholten Male aufgebaut und bedeckte dadurch nahezu die gesamte Sitzfläche auf dem Parkett.

Ob man dieses Stück nun überhaupt beschreiben kann und ob eine Beurteilung wirklich gerecht und zulässig ist, darüber lässt sich vortrefflich diskutieren.

Zu Beginn der Veranstaltung bekam man eine Doppelseite mit Informationen über das Stück:
Was meint Schlingensief? Was will Schlingensief? Was ist der Animatograph? Was stellt er da?

Beeindruckend wie eh und je ist die Gästeliste, die Schlingensief zu seinen Auftritten zerrt: Patti Smith, Irm Hermann, und manch anderen bekannten Gesichter aus der bunten deutschen Medienlandschaft: Elfriede Jelinek und Robert Stadlober.

Der Animatographen auf dem Parkett des Burgtheaters konnte zu Beginn von den Logenplätzen begutachtet werden. Danach stand eine Führung durch den besagten auf dem Programm. Meine Mutter und ich hatten den Nachteil, von einer schreienden Chinesin und einer deutschen Studentin durch Dreck, Matsch, Fett und allerlei kurden Gerätschaften geführt zu werden.

(Foto von www.burgtheater.com)

Jeder, der in Abendgaderobe kam und durch das Uhrklo waten musste, konnte seine Klamotten und Schuhe am nächsten Tag in die Reinigung bringen. "Wandern sie durch das Uhrklo und spüren sie, wie Scheiße wir alle sind. Fühlen sie sich Scheiße! Sie sind Scheiße! Sie waren Scheiße! Sie werden immer Scheiße bleiben!"

Danke, Christoph, für diese unglaubliche Erkenntnis.

Selten bin ich sprachlos. Doch zu diesem Stück von Schlingensief, welches viel Interpretationspielraum lässt, viel Kreativität beinhaltet und dennoch nicht überzeugt, aber in jedem Fall einmalig und einzigartig ist, fällt mir nicht mehr allzu viel ein.


Triefendes Fett an meinem Unterarm - ich war wohl bei Area 7!

Montag, Mai 01, 2006

Josef Hader im Audimax in Wien

Heute Abend folgte der zweite kabarettistische Höhepunkt: Josef Hader spielte im proppevollen Audimax sein neues Programm "Hader muss weg".


Um kurz nach 20 Uhr betrat Herr Hader den Saal und musste sein Mirkofon ausrichten, nachdem das eigentliche Mirko am gestrigen Auftritt den Geist aufgab. Nach einer kurzen Unterhaltung mit seinem Techniker auf der Bühne verschwand er mit diesem in den Technikerraum. Die nächsten 10 Minuten hörte man lediglich die Konversation der beiden, dann schalteten sie "aus Versehen" eine Kamera ein, so dass man sie bei ihrem Gespräch auch sehen konnte.

(Foto von http://lukasbeck.com/hader-muss-weg5.htm)

Alles gehört bereits zu dem Programm. Hader spielte diesen Part mit seinem Gegenüber so gut, dass die Situation auch zufällig entstanden sein konnte. Nach dem Klingeln für den eigentlichen beginn seines Programms betrat Josef Hader unter viel Rauch und Musik die Bühne.

Für seinen Auftritt entwarf Hader sieben Persönlichkeiten, die sich an diesem Abend über den Weg laufen sollte. Hader, der Kabarettist, musste für das Mikrofon noch Batterien holen. Auf dem Weg zu einer Tankstelle traf er einen Fan, telefonierte mit dessen Freundin und liess sich von diesem zur nächsten Tankstelle fahren.
Auf dem Weg verunglücken die beiden und Hader ist dem Tode nahe. Er trifft in einer verlassenen Gebrauchtwagenverkäufergegend den Tankstellenbesitzer und wird...

...mehr darf man nicht verraten.

(Werbeplakat von der Agentur Hoanzl)

Hader spielt diese Rollen in einer ungewöhnlichen Perfektion und mit seinem ihm so eigenen Gestus. Alleine schon die Interpretation eines Falco-ähnlichen Klavierspielers ist der reinste Wahnsinn. Unglaublich, sehenswert und phänomenal.

Zwischen einzelnen Passagen arbeitete Hader mit Musik von Bloc Party und einer Videoprojektion seiner Gesichtsausdrücke. Alles floss ineinander über, jede Person wurde mit der Anderen verwoben und es machte Spaß, diesem Ausnahmekünstler bei seiner Berufung zuzusehen.

Um 22.45 Uhr schloss Hader sein Programm nach minutenlangem Beifall. Eine Zugabe gab es übrigens nicht. Alfred Dorfer hatte dies am Samstag bereits angekündigt, wohl wissend um das Programm von Hader. Eine Zugabe wäre unpassend gewesen, da das von Hader geschrieben Stück in sich schlüssig ist und keine Erweiterung benötigt.

(Foto aus seinem letzten Film "Silentium" mit Joachim Kròl)

Kurz um: ein sehr gelungener Abend mit einem ausgereiften Stück. Hader hat zehn Jahre lang sein Programm "Privat" gespielt und macht sich mit "Hader muss weg" zu neuen Ufern auf. Er verbindet noch mehr Kabarett mit seinen Schauspielkünsten. Respekt.

Empfehlung des Jahres. "Hader muss weg" muss man gesehen haben.

Sichert euch Tickets für den 20.05.2006 oder den 21.05.2006 in Nürnberg unter 0911-2314000. Alle weiteren Termine findet ihr hier.