Dienstag, Mai 23, 2006

Radiosymposium zu Ehren des Pioniers Franz Hiesel

Sollte sich jemand bei der Überschrift schon fragen, ob er eine immense Wissenslücke besitzt, da er Franz Hiesel nicht kennt, so kann ich jedem entgegnen, dass selbst erfahrene Radiomacher nicht immer Hiesels Namen parat haben.

Franz Hiesel (1921-1996) war Schriftsteller und Rundfunkdramaturg des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und leitete von 1976 bis 1986 die Literaturabteilung des Österreichischen Rundfunks (ORF). Anläßlich seines 85. Geburtstages wurde im Wiener Rathaus eine Hörspieltagung zu seinen Ehren durchgeführt.

Unter den RednerInnen fand man unter anderem die Mitorganisatorin Hilde Haider-Pregler, die am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Uni Wien lehrt und eine Einführung in Hiesels Schaffen bot.

Das Wiener Original Hubert Pfoch, Vizebürgermeister von Wien a.D., stellte in seiner Rede eher sich und den ominösen "Dr. Müller" in den Mittelpunkt und verwies nur an einigen Stellen auf die Freundschaft zu Hiesel. Dafür war sein Vortrag sehr amüsant, vor allem sein Spiel mit dem einzigen Fotografen im Raum.

Sehr informativ und humorvoll gestaltet Peter Gugisch seinen Vortrag. Gugisch war ehemaliger Leiter der Hauptabteilung Funkdramatik beim Rundfunk der DDR in Berlin und war mit Hiesel justament am Tag der Maueröffnung in Berlin in einem Café. Seine Anekdoten machten es möglich, dass der Zuhörer ein persönlicheres Bild von Hiesel bekamen.

Der letzte Vortrag vor der Mittagspause war zugleich mein letzter des Tages. Christine Ehardt aus Wien stellte vier Hörspiele von Hiesel unter der Thematik "Gehen/Bewegung" vor. Zum ersten Mal konnte man sich auch hörbar von Hiesels Qualitäten einen Eindruck verschaffen. Ein gelungener Abschluß vor dem Essen.

Danach begann für mich wieder der Unialltag. Ein vollgepackter Tag, der um 7.30 Uhr begann und irgendwann entnervt am Abend endete. Das Radiosymposium war eine gute Gelegenheit, tiefer in die Materie "Radio" einzutauchen und etwas über einen Menschen zu erfahren, der mir gänzlich unbekannt war, der aber für die Entwicklung des Hörspiels vieles beigetragen hat.

"Ich und Dr. Müller! Ach ja, und Franz Hiesel."